Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt
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Geist, Besitz und Eigentum: Was die Hirnforschung dazu sagt

21. Juni 2008 von

Bei Telepolis gibt es einen interessanten Artikel (18. Juni) über neue Forschungsergebnisse zur Verarbeitung von Besitzvorstellungen im Gehirn:

"Die Wissenschaftler interpretieren das Ergebnis der Gehirnscans so, dass der Besitzeffekt nicht durch höhere Anziehungskraft von Eigentum verstärkt wird, sondern dass der Besitz den Wert der Dinge auf dem Hintergrund ihres möglichen Verlustes verstärkt. Die Angst vor dem Verlust dominiert also das Verhältnis zu den Dingen."
Ob daher wohl die weit anzutreffende Konfusion über "geistiges Eigentum" rührt? Sind Verlustängste daran schuld, daß die Debatte um den angemessenen Schutz von intellektuellen Errungenschaften überwiegend irrational geführt wird? Warum ich die Debatte für überwiegend irrational halte? Zum Beispiel, weil ständig Dinge und Ideen gleichgesetzt werden. Das erinnert mich immer an die chinesische Ordnung der Tiere (zitiert von Rolf Haaser, nach Jorge Luis Borges, der wiederum eine chinesische Enzyklopädie als Quelle herangezogen haben soll):
"a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte Tiere, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppierung gehörige, i) die sich wie Tolle gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen."
Die Gleichsetzung von Eigentum an Dingen und Schutzrechten für intellektuelle Leistungen, die dem Begriff vom "geistigem Eigentum" innewohnt, impliziert ja irgendwo auch, daß Beethovens 9. Sinfonie und der Bleistift auf meinem Schreibtisch in dieselbe Kategorie gehören. Wie soll man einen klaren Gedanken fassen, wenn ontologisch so unterschiedliche Entitäten nicht kategorisch auseinandergehalten werden? Vielleicht brauchen wir mehr Hirnscans statt mehr Urheberrechtsdiskussionen?

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