„Die Daten fließen nur in eine Richtung, nämlich von der Wissenschaft zu Elsevier“ – Yuliya Fadeeva zum Datentracking durch Verlage
iRights.info: Frau Fadeeva, Sie befassen sich intensiv mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier, bezeichnen das Unternehmen aber als „Ex-Verlag“. Warum?
Yuliya Fadeeva: Weil Elsevier, aber auch die anderen Großen wie Springer Nature oder Wiley, sich selbst nicht mehr als Verlage präsentieren, sondern als Medienkonzern oder „Data Analytics“-Konzern bezeichnen. Die verlegerische Tätigkeit ist nur noch ein Teil ihres Portfolios.
An anderer Stelle haben Sie Elsevier ein „Universalgenie der Wissenschaftsverwertung“ genannt. Womit verdient Elsevier eigentlich sein Geld?
Zunächst mal: Es geht um sehr viel Geld. Für das Jahr 2024 meldet der Jahresbericht von RELX – das ist der Mutterkonzern von Elsevier – der STM-Sparte (Science, Technology und Medicine, Anm. d. Red.) einen bereinigten Betriebsgewinn von Elsevier in Höhe von 1,172 Milliarden Pfund. Bei 37-38% Gewinnmarge ist das doch ein sehr beträchtlicher Gewinn.
Das Geld kommt aus mehreren Verdienstbereichen, die miteinander zusammenhängen. Übergeordnet würde ich sagen, dass Elsevier eine End-to-End-Plattformisierung von Wissenschaft betreibt. Was heißt das nun? Zum ersten sind da die vertrauten Mechanismen des Verdienstes, etwa wissenschaftliche Zeitschriften. Hier hat Elsevier – mit wenigen anderen – eine global führende Position. Zu Elsevier gehören über 3.000 wissenschaftliche Zeitschriften. Zur Einordnung: Nur 0,06% der Publishers weltweit haben mehr als 500 Titel im Repertoire. Die großen Konzerne wie Elsevier, Wiley oder Springer Nature haben es geschafft, dass die Open-Access-Transformation für sie nicht weniger lukrativ ist als das bisherige Modell. Sie verdienen sehr viel Geld mit den Transformationsverträgen („Projekt DEAL“).
Über die Interview-Partnerin:
Yuliya Fadeeva (ORCiD) arbeitet derzeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikationswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Sie publiziert zu den Themen wissenschaftliches Publikationswesen, Reputation, Open Access und Datentracking.
Zuletzt erschien der Aufsatz „Science Tracking über Transformationsverträge und Wissenschaftsplattformen. Vom Beifang zum Hauptziel“ in einer Sonderausgabe zu Open Access in der Zeitschrift kommunikation@gesellschaft (März 2026).
Ein lukratives Geschäftsmodell, mit dem Elsever öffentliche Mittel in private Rendite transformiert?
In der Tat. Grossmann und Brembs haben 2021 nachgerechnet, dass die Produktionskosten eines einzelnen Zeitschriftenbeitrags lediglich bei rund 400 bis 600 US-Dollar liegen. Selbst wenn man die Kosten etwas anpasst, ergeben sich nicht die derzeit aufgerufenen DEAL-Preise pro Zeitschriftenbeitrag: Im Jahr 2025 lagen diese bei 2.575 Euro für die Core Hybrid-Titel und 6.708 Euro für die Titel der CellPress und Lancet-Gruppe mit 4% jährlicher Steigerung. Das heißt, wir sehen mit dem Verlegen bei Elsevier nach wie vor einen immens großen Verdienstbereich plus noch eine Orientierung hin zu einer ähnlichen Dominanz bei den wissenschaftlichen Infrastrukturen, wie sie vorher allein im Zeitschriftenbereich bestanden haben. Außerdem eine Orientierung zur Maximierung des Outputs, also zu einer Förderung des Verhaltens, das den Output vergrößert und die Wissenschaftler*innen dazu bringt, mehr zu publizieren.
Die „End-to-End-Plattformisierung“ der Wissenschaft
Abgesehen von dem Verlagsgeschäft: Woraus bestehen die anderen beiden Verdienstbereiche Elseviers?
Der zweite Verdienstbereich ist das sogenannte Rent-Seeking-Behaviour, eine problematische Form systematischer Einflussnahme zum eigenen Vorteil, z.B. Monopolbildung und Lobbying. Während früher Geld durch den Besitz von „Content“, also wissenschaftlicher Literatur eingenommen wurde, gibt es heute „Analytics“-Produkte: Daraus werden bibliometrische, evaluative, strategische Produkte, Datenbanken, verschiedene Tools und weitere „Analytics Solutions“ lizenziert und weiterverkauft beziehungsweise an die Bibliotheken und Forschungseinrichtungen zurückverkauft. Die Grundlage dafür ist der Besitz der vielen verschiedenen Daten über die Wissenschaft, die Wissenschaftler*innen und den Wissenschaftssektor, den Elsevier angehäuft hat und weiterhin anhäuft und somit neue Abhängigkeiten schafft.
Der dritte Verdienstbereich ist das Datenbrokering. Dazu kann ich auf Sarah Lamdans Buch „Data Cartels“ (2022) verweisen und auch auf Shoshana Zuboff, die dazu viel gearbeitet haben – nicht speziell zu Elsevier, aber zu Datenbrokering als Taktik. Im Grunde geht es hier um die Verwertung von Daten, die im Bestand des Konzerns sind: für alle möglichen Zwecke, nicht nur wissenschaftliche. Die Daten werden genutzt, um immer neue Produkte wie „Predictive Analytics“ und weitere „Analytics Solutions“ zu entwickeln. In den USA verdient Elsevier beispielsweise im Gesundheitssektor sehr viel Geld.
Sprechen wir über die Datensammelwut des Ex-Verlags. Was war für Sie die wichtigste Erkenntnis in Bezug auf Elsevier?
Elsevier verfolgt eine epistemische Asymmetrie als Geschäftsstrategie. Das heißt, es gibt eine Ungleichheit zwischen der Wissenschaft und Elsevier zugunsten des Konzerns. Elsevier sammelt Informationen über die Wissenschaft, die Wissenschaftler*innen und die Vorgänge innerhalb des Wissenschaftssektors – und die Daten fließen nur in eine Richtung, nämlich von der Wissenschaft zu Elsevier. Dadurch ist der Konzern immer im Vorteil. Und er arbeitet weiter daran, die verschiedenen Formen der Datenzuflüsse durch Anwendungen aus dem Wissenschaftszyklus, aus dem Wissenschaftsmanagement und durch Datentracking, end to end zu integrieren und damit die weiteren Ebenen des Wissenschaftssektors zu durchdringen. Das geht weit über das Publikationsgeschehen hinaus. Elsevier adressiert – und das ist kein Geheimnis – Wissenschaftsinstitutionen, Wissenschaftsförderer, Regierungen, den Gesundheitssektor, Anwendungen im Studium.
Die „epistemische Asymmetrie“, wie Sie es nennen, heißt also, dass die Wissenschaft wenig über Elsevier weiß – aber Elsevier viel über die Wissenschaft.
Genau, das heißt, dass die einzelnen Produkte und ihre Integration zu einem Elsevier-gesteuerten Ökosystem intransparent und proprietär sind und den Interessen des Konzerns dienen. Und diese Produkte schieben sich zwischen die Wissenschaftsinstitutionen und ihre Einsicht in ihre eigenen Prozesse und Ergebnisse. Würde man all die Informationen, die Elsevier über seine verschiedenen Anwendungen über Wissenschaft hat, lizenzieren und (zurück-)kaufen, wären diese alle vermittelt durch eine Elsevier-Brille. Die Abgabe der epistemischen Hoheit und des Steuerungswissens finde ich sehr beunruhigend.
Yuliya Fadeeva über’s Datentracking: „Was mit diesen Daten geschieht, können wir aber in keiner Weise erfahren.“
Die Entwicklungen klingen alarmierend.
Ich beobachte, was Renke Siems schon festgehalten hat: Der geschützte Wissenschaftsraum ist dabei, sich aufzulösen und in die Plattform-Ökonomie überzugehen, die wir sonst eher von Social Media und dem kommerziellen Internet kennen. Es ist beunruhigend zu wissen, dass wir es mit einem Player zu tun haben, der unglaublichen Einfluss auf zentrale Funktionen der Wissenschaft hat. Elsevier ist hier nicht allein, aber eben der wichtigste unter den Ex-Verlagen. Elsevier verfolgt die Interessen von Daten-Brokering-Plattformen – und eben nicht, trotz gegenteiliger Behauptungen, die der Erkenntnis und wissenschaftlicher Integrität und der Normen und Ziele der Wissenschaft. Ich habe einen Screenshot von LexisNexis, der anderen Tochterfirma von RELX. Darin steht auf der Website: „Notice: We may sell your sensitive personal data.“

„Notice: We may sell your sensitive personal data.“ (Screenshot der Website von LexisNexis vom 06.02.2025)
Wie sind Sie zu Ihren Erkenntnissen gelangt, wie sind Sie vorgegangen?
Ich habe Literatur ausgewertet, die es zum Thema gibt. Das sind die bekannten Untersuchungen des ABWI oder IT-forensische Untersuchungen am Magdeburger IT-Institut; zusätzlich habe ich weitere Informationen zusammengetragen, vor allem die Berichte von SPARC und CrackedLabs. Zwar habe ich keine besonderen IT-Kenntnisse, aber mir wurde im Zuge meiner Recherche immer wieder klar, dass die Art von Zugang, die wir zu diesen Tracking-Praktiken haben, eine von sehr weit außen ist. Wir können eine bestimmte Seite des Beobachtungsverhaltens selbst beobachten und damit sehen, dass Daten abfließen können. Was mit diesen Daten geschieht, können wir aber in keiner Weise erfahren. Und das sind keine einmaligen Vorgänge, das läuft kontinuierlich. Und diese Daten sind auch nicht in irgendeinem Sinne verpufft, wenn sie einmal verwendet wurden, sondern sie werden weiter gehandelt auf einem intransparenten globalen Markt.
Wie ist Elsevier eigentlich zu diesen ganzen „Tools and Services“ gekommen?
Elsevier hat sich diese Angebote teils zusammengekauft und teils selbst entwickelt. Es gibt eine Untersuchung von Chen, Posada und Chan im Jahre 2019, die die Veränderung der Strategien von Elsevier und Wiley nachzeichnet: von der Vergrößerung des eigenen Zeitschrittenportfolios zum Übergang Mergers and Acquisitions, wo sie verschiedene analytical services und Anwendungen für den Wissenschaftszyklus aufgekauft haben – über zehn, 15 Jahre. Elsevier hat auch eigene Anwendungen entwickelt, vor allem solche zum Wissenschaftsmanagement im CRIS-Bereich („Current Research Information Systems“). Außerdem kaufte Elsevier ARIES Systems (ein Workflow für Publikationssysteme), den Preprint-Server SSRN oder auch Digital Commons, und damit Möglichkeiten zur Repositoriums-Nutzung, Bepress, einen Open-Access-Verlag oder eben Anwendungen wie die Literaturverwaltungs-Software Mendeley. Das sind Bereiche, wo es schon gut genutzte Programme gab. Diese in eigene AI-getragene oder gestützte Anwendungen hinein zu integrieren und daraus neue Analytics-Produkte zu bilden, ist eher Elseviers eigene Weiterentwicklung.
„Die Wissenschaft ist schon längst erpressbar.“
Das klingt, als stünde auch Elsevier am Übergang in Richtung KI-Systeme. Nutzt der Konzern auch öffentlich finanzierte Forschungsressourcen wie Publikationen oder Daten, um damit die eigenen KI-Systeme zu füttern?
Ja, etwa über ScienceDirect (Elseviers Plattform für den DEAL-Vertrag) oder über SCOPUS, eine Datenbank mit metrischen Angeboten verschiedener Art. Diesen Übergang zur KI-Nutzung sehe ich auf jeden Fall. Es ist nur unklar, ob das jetzt im direkten Zusammenhang zum Open-Science-Gedanken gesehen werden sollte. Denn Elsevier hat – durch Subskription und Rechteübertragungen für wissenschaftliche Literatur – für sein Training ja schon proprietäre Inhalte angehäuft. Und das haben sie schon längst genutzt, wie Elsevier im Video zu Scopus AI zeigt.
Ganz direkt gefragt: Macht sich die Wissenschaft Ihrer Meinung nach erpressbar, wenn sie sich zu sehr in die Abhängigkeit von Konzernen wie Elsevier begibt?
Die Wissenschaft ist schon längst erpressbar. Genau diese Erpressbarkeit hat vor einigen Jahren zur Zeitschriftenkrise geführt. Ich bezeichne das als einfachen Lock-In-Effekt. Wir haben durch das Maxwell-Garfield-Modell und andere Entwicklungen einen Status quo entwickelt, der sehr nachteilig für die Wissenschaft war und noch immer ist und den die Ex-Verlage und teilweise auch Immer-noch-Verlage ausschöpfen. Ob wir diese Praktiken fortsetzen mit der Zusammenarbeit mit diesen Unternehmen, ist die Frage, um die es geht! Wollen wir weiterhin erpressbar sein? Und so wie ich es in Anbetracht der Situation sehe, laufen wir auch auf einen komplexen Lock-In zu. Denn es geht ja nicht nur um die Ebene von Publikationen, sondern um den Zugang zu den weiteren Ebenen des Wissenschaftssektors, also das Wissenschaftsmanagement und die Reputationspraxis, die von Elsevier kontrolliert werden. Björn Brembs nennt das „die Mutter aller Lock-Ins“, bei dem wir als Institution Wissenschaft erpressbar wären. Die epistemische Asymmetrie, die ich nenne, würde hier in sehr viel komplexerer Weise unsere digitale Souveränität im Wissenschaftsbereich gefährden.
Die Kritik an Elsevier ist mittlerweile allgegenwärtig. Forschende und Institutionen bemängeln die hohen Publikationsgebühren, die sinkende Qualität der Dienstleistungen usw. – warum löst sich die Wissenschaft nicht von diesen Verlagen?
Weil diese Abhängigkeit sehr komplex ist und nicht auf Seiten von Wissenschaftler*innen aufgestellt wurde. Das klingt so, als wäre es eine freiwillige Entscheidung der Forschenden, bei diesen Konzernen weiterhin zu publizieren. So einfach ist das nicht. Man kommt als Wissenschaftlerin kaum an den circa 3.000 Elsevier-Zeitschriften vorbei. Es ist weiterhin sehr schwierig, eine andere Option außerhalb der Big Five zu finden. Wiley, Springer Nature und Elsevier haben als Konzerne einen sehr großen Einfluss auf das Reputationssystem. Das ist natürlich für Wissenschaftler*innen sehr relevant und schränkt ihre Freiwilligkeit sehr ein. Der Einfluss der Konzerne sorgt für eine Umdeutung des Reputationsbegriffs: Reputation wird quantifizierbar, messbar, visualisierbar, aber eben auch handhabbar, erreichbar, verbesserbar durch die Nutzung der jeweiligen Publikationsorgane, nämlich der Zeitschriften des jeweiligen Konzerns und der Nutzung der anderen Produkte.
Aber die Wissenschaft besteht nicht nur aus einzelnen Forschenden, sondern auch aus Institutionen wie Universitäten und Forschungseinrichtungen.
Die Institutionen befinden sich in einer ähnlichen Situation, nur mit etwas anderen Mitteln beeinflusst. Da geht es um die Benutzung von Datenbanken, Messinstrumenten und ihrer Algorithmen und der verschiedenen Anwendungen mit ihren Empfehlungen und Gewichtungen. Das alles fördert die Suggestion einer operationalisierbaren Qualität und Reputation. Und obwohl wissenschaftliche Qualität und Reputation sehr komplexe, kommunikativ verhandelte Prozesse sind, die sich nicht durch ein Tool messen lassen, entsteht diese Illusion von Handhabbarkeit und Manipulierbarkeit beziehungsweise Erreichbarkeit durch entsprechende Produkte, die von den Konzernen angeboten werden.
Sind Forschende als Einzelpersonen erpressbarer als Institutionen?
Ja, viel stärker als die Institutionen! Wissenschaftler*innen brauchen einen Job. Solange diejenigen, die Stellen vergeben und Anträge bewilligen, Kriterien fordern, die einem solchen quantifizierten Reputationsbegriff entsprechen, machen Wissenschaftler*innen genau das, auch wenn sie sich darüber aufregen und wenn sie das alles gar nicht mehr möchten. Also ich würde die Freiwilligkeit hier in Anführungszeichen setzen, mindestens.
Elsevier hat also die Abhängigkeit, die aus den schlechten Arbeitsbedingungen der Forschenden folgt, genutzt, und darauf aufbauend weitere größere, komplexere Abhängigkeiten geschaffen.
Genau. Und die betreffen alle Akteur*innen im Reputationsgeschehen.
„Wir sollten nicht erwarten, dass wir in irgendeiner Art und Weise vom Markt da rausgeführt werden.“
Wo sollte die Wissenschaft mit ihren Institutionen ansetzen, um souverän zu bleiben?
Das Ziel sollte sein, wieder souverän zu werden. Im Moment ist diese Souveränität extrem gefährdet. In den Empfehlungen des Wissenschaftsrats zum Publikationswesen von 2022 sind die genannten Konzerne nicht einmal erwähnt. Der richtige Weg wäre, selbstgetragene Publikationsinfrastrukturen zu entwickeln, zu fördern, auch zu einer Wissenschaftssache zu machen, sie nicht aus der Hand zu geben. Denn ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit Konzernen in der Weise, wie wir sie hier besprochen haben, nicht auf Augenhöhe möglich ist. Was nicht bedeutet, dass man nicht mietbare Dienstleistungen nutzen kann. Aber die Größe der Konzerne und ihre Ausrichtung auf die Plattform- und Data Brokering-Ökonomie führen zu einer Abhängigkeit. Es geht in diesem System einfach nicht anders. Zusammenarbeit mit Data-Analytics-Konzernen ist mit wissenschaftlichen Normen und Sicherheitsanforderungen nicht vereinbar. Sie ist aber eben auch mit Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnisinteressen nicht vereinbar. Insofern sollte man realistischerweise sehen, dass wir in einem Lock-In noch immer stecken, der sich sozusagen noch vergrößert hat.
Manche Kritiker*innen würden jetzt entgegnen, dass diese einfach eine Sache des Marktes ist.
Wir sollten nicht erwarten, dass wir in irgendeiner Art und Weise vom Markt da rausgeführt werden. Wir müssen aktiv als wissenschaftliche Standorte Geld in die Hand nehmen, um nicht aufkaufbare, öffentlich verwaltete und nach EU-Recht funktionierende Infrastrukturen zu haben. Ihre Nutzung muss zum Standard gemacht werden, in einem gewissen Sinne von oben, weil das nicht von alleine passieren wird. Wir sind in einer Situation von Trägheit, die das System, wie es besteht, weiterhin verstärken würde. Wir müssen gewissermaßen disruptiv handeln, um wieder zu Souveränität zu kommen. Und das wird in der kommenden Zeit immer schwieriger, wie auch die Entwicklungen in den USA zeigen. Wir haben eine zu große Abhängigkeit in den digitalen und wissenschaftlichen Infrastrukturen.
Und was kann der oder die Einzelne tun?
Zumindest: ein Bewusstsein für die Problem- und Gefährdungslage schaffen, und weshalb es den Grundsätzen wissenschaftlicher Arbeit widerspricht. Ich kann und möchte nicht von einzelnen Personen fordern, ihr Publikationsverhalten zu ändern. Aber: Es gibt in der wissenschaftlichen Arbeit eine Menge Entscheidungen, etwa zwischen Publikationsorgan A und Publikationsorgan B. Hier gilt es, informierte Entscheidungen zu treffen und aus einer informierten Situation heraus lässt sich Druck auf Institutionen oder Gremien ausüben.
Frau Fadeeva, haben Sie vielen Dank für das Interview!






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