iRights.info-Newsletter vom 8. Dezember 2016

Liebe Leserinnen und Leser, 

viele Diskussionen drehen sich derzeit um den vergangene Woche vorgestellten Entwurf einer Digitalcharta, die als Erklärung der ,digitalen‘ Grundrechte gedacht ist. Jedoch erntete sie umgehend Kritik. So auch von Wolfgang Michal, der in ihr einen Rückschritt hinter die Idee von Web-Pionier Tim Berners-Lee sieht, nach der das Netz ein globales öffentliches Gut ist, das weder Staaten noch Konzernen gehört.

Wie sich die Schutzfristen im Urheberrecht auswirken, kann schnell eine recht abstrakte Diskussion werden. Ansgar Koreng schildert auf iRights.info, wie er die Innenansicht einer Berliner Kirche für die Wikipedia bereitstellen wollte, dabei jedoch in den Untiefen der Rechteklärung an verwaisten Werken landete. Außerdem stellen wir dar, wie unterschiedlich die Archivierung des Internets in europäischen Ländern und anderswo angegangen wird.

Zwischen allen lauten Debatten im Netz: Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit und grüßen Sie aus der iRights.info-Redaktion,

David Pachali, Henry Steinhau

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Neu bei iRights.info

Die Digitalcharta: ein deutscher Sonderweg
Web-Erfinder Tim Berners-Lee verstand das Internet als globales öffentliches Gut, das weder Regierungen noch Unternehmen gehört. Der jetzt vorgestellte Entwurf einer Digitalcharta verengt die Perspektive auf die Abwehr von Konzernen, was den Interessen deutscher Verlage entgegenkommt, kommentiert Wolfgang Michal.

C3S: Tarifrechner für GEMA-Abgaben veröffentlicht
Die Cultural Commons Collecting Society (C3S), die am Aufbau einer alternativen Verwertungsgesellschaft arbeitet, hat einen GEMA-Tarifrechner veröffentlicht. Damit lassen sich die GEMA-Abgaben für Discotheken und Clubs, für Konzerte sowie für „Musikaufführungen in Tanzlokalen“ im Zeitverlauf berechnen.

Amnesie durch Urheberrecht
In Deutschland stößt die Archivierung von Internetveröffentlichungen schnell an rechtliche Grenzen, während Frankreich und Estland ihren Nationalbibliotheken mehr erlauben. Viele Lücken schließt derweil das Internet Archive aus Kalifornien.

Die Schutzfrist als Sichtschutz: Wie das Urheberrecht freies Wissen behindert
Wer ein Foto für die Wikipedia hochladen will, kann sich in Verästelungen eines Urheberrechts verfangen, von dem niemand profitiert und das Projekte um freies Wissen behindert. Anwalt und Hobbyfotograf Ansgar Koreng schildert einen Fall aus eigenem Erleben.

„Zugang gestalten!“: Die Konferenz zum Nachsehen und -hören
Die sechste Ausgabe der Konferenz „Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“ fand am 17. und 18. November 2016 im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart in Berlin statt. Die Konferenz zum Nachsehen und -hören.

Die Hüter der Kultur
Was bedeutet es heute für Museen, nicht nur Bewahrer, sondern Vermittler von Kultur zu sein? Hinter dem Streit um freien Zugang und den Schutz von Repro-Fotos verbergen sich kultur- und gesellschaftspolitische Fragen.

Reihe: Grundwissen

Die häufigsten Fragen zu Musik bei Youtube

Welche Regeln gelten beim Umgang mit Musik auf Youtube? Darf man Musik aus den Videos herunterladen und speichern? Kann Verlinken und Einbetten problematisch sein? Antworten auf 15 häufige Fragen zu Musik bei Youtube.

Publikationen

Das Netz – Jahresrückblick 2016/2017 erscheint am 20.12.
Hintergrundartikel, Interviews und Kommentare zu den wichtigsten Ereignissen des digitalen Jahres – die neue Ausgabe von „Das Netz“ ist in Druck und bietet wieder einen Rundblick zu Debatten und Trends aus Alltag, Politik, Wirtschaft und Kultur. Am besten gleich vorbestellen unter irights-media.de

Jetzt erhältlich: „Wirtschaft neu denken – Blinde Flecken der Lehrbuchökonomie“
Ob Finanzkrise, Eurokrise oder wachsende Ungleichheit: Die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen rufen nach neuem ökonomischen Denken sowie theoretischem und methodischem Pluralismus. Das Buch „Wirtschaft neu denken“ zeigt, wie die zwanzig in Deutschland am weitesten verbreiteten Volkswirtschafts-Lehrbücher neoklassischen und neoliberalen Denkmustern folgen, wissenschaftliche und gesellschaftliche Kontroversen darüber aber nicht erwähnen. Das Buch wird von Till van Treeck und Janina Urban herausgegeben und ist erhältlich im Verlag iRights.Media.

Veranstaltungen

Die Initiative Urheberrecht, ein Zusammenschluss von Urheberverbänden, veranstaltet am 12. Dezember 2016 in Berlin die KonferenzDigitale Plattformen – Chancen und Probleme“. Themen sind der Rechtsrahmen für Internet-Plattformen, Vergütung und Forderungen an die Politik.

Hacking hat sich als eine Form des digitalen Ungehorsams etabliert – aber darf auch der Staat hacken? Das ist die Ausgangsfrage der dritten Veranstaltung in der Reihe „Networks and Politics“, die von mehreren Forschungseinrichtungen und Internet-Governance-Zusammenschlüssen veranstaltet wird. Die „Berlin Session 03 – Staatliches Hacken“ findet am 13. Dezember bei Wikimedia Deutschland in Berlin statt.

Vom 27. bis 30. Dezember findet der 33. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs in Hamburg statt. Erwartet werden „tausende Hacker, Technikfreaks, Bastler, Künstler und Utopisten“, die sich dem kritisch-schöpferischen Umgang mit Technologie und Gesellschaft widmen. Weil die Ticket-Nachfrage das Angebot übersteigt, ist in einem nahegelegenen Hotel eine weitere Zusammenkunft geplant.

Vom 24. bis 26. Januar findet in Karlsruhe die Bildungsmesse Learntec statt. Motto: „Zukunft Lernen: Lernwelten neu denken“. Den Jahresrückrückblick „Das Netz 2016/17“ gibt es für Teilnehmerinnen und Teilnehmer kostenfrei im Medienpavillon.

Anderswo im Web  

Der Entwurf für eine Digitalcharta will viele politische Forderungen und Ideen zu neuen Grundrechte erheben. Das aber könne leicht mehr Schaden als Nutzen anrichten, meint Simon Assion auf Telemedicus. Auf Kritik gehen auch die Initiatoren selbst ein und fordern zum Mitmachen und Verbessern auf.

In einer umfassenden Stellungnahme setzen sich die britischen Bürgerrechtler der Open Rights Group mit den Reformvorschlägen der EU-Kommission zum Urheberrecht auseinander. Die Aktivisten bewerten viele der vorgeschlagenen Schritte (die trotz Brexit-Szenarien voraussichtlich auch Großbritannien betreffen würden) als vertane Chance für eine tiefergehende Reform.

Die Musikindustrie steht Youtube unvermindert kritisch gegenüber, so ein Bericht der Digital Music News. Doch nach darin zitierten Aussagen von Youtube-Manager Robert Kyncl zahlte der Dienst im vergangenen Jahr rund 1 Milliarde Dollar an die Musikindustrie. Für die Labels seien Abonnements und Werbung die wichtigsten Wachstumsfaktoren, glaubt Kyncl.

Wenn die Müllabfuhr streikt, wird eine Einigung nicht lange auf sich warten lassen. Was dieser „Garbage-Strike-Test“ für Universitäten und Wissenschaftsverlage bedeuten würde, fragt sich Leonhard Dobusch bei netzpolitik.org.

Über die unendliche WLAN-Störerhaftung und den „Abmahnbeantworter“ als Erste-Hilfe-Werkzeug hatte iRights.info bereits berichtet, in der aktuellen Sendung des Podcasts „Rechtsbelehrung“ stellen die Anwälte Bea Hubrig und Niklas Plutte noch einmal ihre Sicht auf die Dinge dar.

Der Dienst Skype ist für Messaging, Video- und Voice-Telefonie beliebt, steht wegen zahlreicher Datenschutzbedenken jedoch immer wieder in der Kritik. Das Mobility Mag hat sich damit befasst, woran sich diese festmachen, welche Alternativen es gibt und wie gut sie funktionieren.

Haben Big Data und die Firma „Cambridge Analytica“ Donald Trump zum Präsidenten befördert? Das legt ein Artikel im Schweizer „Magazin“ nahe. Die Aussage steht auf wackligen Füßen, meint dagegen Dennis Horn im WDR-Blog Digitalistan. Einer der Autoren des Beitrags, Hannes Grassegger, hat mit dem Bayerischen Rundfunk über die Kritik gesprochen.

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Wenn Sie Hinweise auf Veranstaltungen, Texte und Veröffentlichungen zum Thema „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt” haben, freuen wir uns auf E-Mails an post@irights.info. 

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 Foto im Header: Jean Ferris: Writing the Declaration of Independence

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