iRights.info-Newsletter vom 10. November 2016

Liebe Leserinnen und Leser, 

auch in der digitalen Welt gibt es Baustellen, die schon so lange den Weg versperren, dass man sich an sie gewöhnen konnte. Eine besonders langwierige ist nun fürs Erste verschwunden: der Streit GEMA vs. Youtube. Allerdings bleiben bei der jetzt getroffenen, geheimen Vereinbarung wichtige Fragen offen – etwa, was eigentlich an Vergütung dabei heraus springt.

An Universitäten dagegen könnte es bald heißen: Dieser elektronische Semesterapparat ist nicht verfügbar. Hochschulen in mehreren Bundesländern widersetzen sich einem Vertrag zwischen den Kultusministern und der VG Wort, der Meldepflichten für genutzte Texte festschreibt. Wir erläutern Hintergründe und mögliche Folgen der Auseinandersetzung.

Mit bestem Gruß aus der iRights.info-Redaktion,

David Pachali, Henry Steinhau

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Neu bei iRights.info 

Kopiervergütung: Börsenverein setzt auf Verzicht der Autoren
Ob Autoren das Geld aus der Kopiervergütung erhalten, das die VG Wort zu Unrecht an Verlage überwiesen hatte, ist nach wie vor offen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels setzt darauf, dass möglichst viele Urheber auf ihr Geld verzichten.

GEMA-Youtube-Deal: Nach der Dauerbaustelle ist vor der Dauerbaustelle
Youtube und GEMA haben sich geeinigt – keine Sperrtafeln mehr in Deutschland. Ist nun alles gut? Nicht ganz: Dass die Vertragsbedingungen nicht öffentlich sind, könnte zu einem Problem werden.

Youtube zahlt nun an die GEMA, ist aber nicht GEMA-pflichtig
Nach jahrelangem Streit einigten sich GEMA und Youtube, dass Musik-Urheber von der Videoplattform Vergütungen erhalten. Deren Höhe bleibt geheim. Somit entfallen die berüchtigten Sperrtafeln – doch bleibt offen, ob Youtube an sich GEMA-pflichtig ist.

Elektronische Semesterapparate: Hochschulen unzufrieden mit geplanten Meldepflichten
Werden Texte an Unis verwendet, fließt Geld an die Verwertungsgesellschaft VG Wort. Ab Januar soll bei elektronischen Semesterapparaten einzeln statt pauschal abgerechnet werden. Weil viele Unis das neue System ablehnen, könnte am Ende ein ganz anderes Ergebnis stehen: Zurück zum analogen Aktenordner.

Im Zeitalter des Geheimen kennt Sammelwut keine Grenzen mehr
Der Hacker Cassio und die Biologin Piera arbeiten zusammen an der Digitalisierung des kompletten lateinamerikanischen Genpools. Ein wahrhaft phantastisches Big-Data-Projekt, über dessen Motive und Auswirkungen die argentinische Schriftstellerin Pola Oloixarac in ihrem Science-Fiction-Roman „Kryptozän“ erzählt.

Netzpublikationen in der Nationalbibliothek: Speichern sollen heißt noch nicht speichern dürfen
Vor zehn Jahren beschloss der Bundestag, dass auch Internet-Inhalte von der Deutschen Nationalbibliothek gesammelt werden sollen. Doch genau das darf sie bis heute oftmals nicht, weil sonst Urheberrechte verletzt würden.

„Attribution Engine“: Neue Suchmaschine für freie Bilder
Das New Yorker Unternehmen Mediachain Labs hat die erste Version einer neuen Suchmaschine ins Netz gestellt. „Attribution Engine“ durchsucht zahlreiche Quellen für Bilder, die unter Creative-Commons-Lizenzen stehen, anderweitig freigegeben wurden oder gemeinfrei sind.

Dossier

Urheberrechtsreform in Europa
In der Europäischen Union wird an neuen Regelungen beim Urheberrecht gearbeitet. Die EU-Kommission will einen digitalen Binnenmarkt schaffen, erste Entwürfe dazu werden beraten. Das iRights.info-Dossier sammelt Beiträge über Pläne, Kontroversen und Einschätzungen zur Reform.

 

Publikationen

Ankündigung: „Wirtschaft neu denken – Blinde Flecken der Lehrbuchökonomie“
Ob Finanzkrise, Eurokrise oder wachsende Ungleichheit: Die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen rufen nach neuem ökonomischen Denken sowie theoretischem und methodischem Pluralismus. Das Buch „Wirtschaft neu denken“ zeigt, wie die zwanzig in Deutschland am weitesten verbreiteten Volkswirtschafts-Lehrbücher neoklassischen und neoliberalen Denkmustern folgen, wissenschaftliche und gesellschaftliche Kontroversen darüber aber nicht erwähnen. Das Buch wird von Till van Treeck und Janina Urban herausgegeben und erscheint am 15.11. im Verlag iRights.Media.

Das Netz – Jahresrückblick 2016/2017 vorbestellbar
Hintergrundartikel, Interviews und Kommentare zu den wichtigsten Ereignissen des digitalen Jahres – wir arbeiten jetzt schon an einer neuen Ausgabe „Das Netz“. Sie kann jetzt vorbestellt werden – mehr unter irights-media.de

Veranstaltungen

Der diesjährige IT-Gipfel des Wirtschaftsministeriums findet am 16. und 17. November in Saarbrücken statt. Zum Programm gehört auch eine Gesprächsrunde unter dem Titel „Werte, Ordnung, digitale Welt. Welche Grundsätze und Regeln sollen gelten?“. Es diskutieren Ulf Buermeyer, Richter am Landgericht Berlin, Justizminister Heiko Maas, Felix Stalder, Professor für digitale Kultur in Zürich und Philipp Otto, Mitherausgeber von iRights.info.

Noch eine Woche bis zur Konferenz „Zugang gestalten!“ Sie befasst sich mit der Digitalisierung in Bibliotheken, Museen, Archiven und anderen Gedächtnis­organisationen. Die sechste Ausgabe wird von iRights.info mitveranstaltet und findet am 17. und 18. November im Hamburger Bahnhof Berlin sowie im Arsenal Filmhaus statt.

Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur veranstaltet vom 18. bis 20. November 2016 in Cottbus das Forum Kommunikationskultur. Motto: „Software takes command – Welche Medienbildung und Medienpädagogik brauchen Kinder, Jugendliche und Familien heute?“ Am Samstag findet das Panel „Datafizierung der Gesellschaft“ statt, zu den Diskutanten gehören Heidrun Allert (Uni Kiel), Thomas Knaus (Uni Erlangen-Nürnberg), Mandy Schiefner-Rohs (TU Kaiserslautern), Gerda Sieben (JFC Medienzentrum Köln) und Phillip Otto, Mitherausgeber von iRights.info.

Den Journalismus von morgen entwerfen und diskutieren will der Vocer Innovation Day am 19. November beim „Spiegel“ in Hamburg, den iRights.info als Medienpartner unterstützt. Über Bots, Algorithmen und die Demokratie diskutieren Greg Barber (Washington Post), Saskia Esken (SPD), Klaus Brinkbäumer (Spiegel), Carsten Brosda (Senatskanzlei Hamburg) und Matthias Spielkamp, Mitherausgeber von iRights.info und einer der Initiatoren des Projekts Algorithm Watch.

Als Konferenz für digitale Innovation versteht sich die Veranstaltung Open 2016 des Landes Baden-Württemberg am 7. Dezember in Stuttgart. Zu den vier Schwerpunkten Industrie, Wissenschaft und Forschung, Kultur- und Kreativwirtschaft sowie öffentliche Verwaltung finden zahlreiche parallele Panel-Sessions statt.

Anderswo im Web  

Und noch mal VG Wort: Wie Übermedien berichtet, will auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) Druck auf Journalistinnen und Journalisten ausüben, damit sie auf einen Teil ihrer Kopiervergütung verzichten. 

„Bald gibt es über Kunst nur noch Werbetexte“, befürchtet der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich. In einem Beitrag beim Perlentaucher führt er näher aus, wie das Urheberrecht auch als Kontrollinstrument von Künstlern genutzt werden kann, das die Beschäftigung mit ihrem Werk behindert. Ullrich hat seine Befunde zur Krise der Kunstkritik auch in einem Interview mit iRights.info dargestellt. 

Mit dem Vorgehen der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen gegen Nutzer von Repro-Fotos, die Museumsbestände zeigen, setzt sich Marcus Engert im Magazin Monopol auseinander. Engert ist Redaktionsleiter des Netzradios Detektor FM, das ebenfalls abgemahnt wurde. 

Während unser Alltag immer stärker von Benutzeroberflächen und scheinbar immateriellen Datenströmen geprägt wird, finden auch Musikkassetten, RöhrenverstärkerSchreibmaschinen und Polaroidkameras neue Nutzer. Dahinter steckt nicht nur Nostalgie, meint die Sendung Zeitfragen im Deutschlandradio.

Wer im 17. und 18. Jahrhundert etwas wissen wollte, konnte zwar nicht Google befragen, dafür aber zum Adressbüro, zum Intelligenz-Comptoir oder zum Frag-Amt gehen, erläutert der Historiker Anton Tantner im Deutschlandfunk. Er erforscht die Geschichte der Identifizierungs- und Registrierungstechniken.

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Wenn Sie Hinweise auf Veranstaltungen, Texte und Veröffentlichungen zum Thema „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt” haben, freuen wir uns auf E-Mails an post@irights.info. 

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