iRights.info-Newsletter vom 13. Oktober 2016

Liebe Leserinnen und Leser, 

wenn Werke gemeinfrei sind, kann jeder sie nach Belieben verwenden. Aber der Teufel kann auch hier im Detail stecken. So etwa in Schutzrechten an Repro-Fotos oder dem Sacheigentum an antiken Vasen, wie ein neues Urteil zeigt. Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim klagten gegen einen Wikipedia-Nutzer und haben vorerst erreicht, dass er keine Fotos der Objekte für die freie Enzyklopädie verwenden darf.

Harmonie ist im Urheberrecht ja ohnehin selten. Immerhin versucht sich die EU-Kommission an dessen Harmonisierung. Wir stellen dar, wie weit es geglückt ist, die nationalen Regelungen anzugleichen und was neue Pläne dazu vorsehen. Außerdem berichten wir, was von Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen zu den Entwürfen zu vernehmen ist. 

Das Bild vom Vänersee im Herbst, das Sie oben sehen, ist übrigens ebenfalls gemeinfrei und stammt von Olof Sager-Nelson. Das Nationalmuseum Stockholm hat es gerade, wie auch viele andere Gemälde, auf Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt. Auch so lässt sich die Sache angehen.

Mit bestem Gruß aus der iRights.info-Redaktion,

David Pachali, Henry Steinhau

---

Neu bei iRights.info 

Landgericht Stuttgart: Wikipedia-Fotograf muss Museumsfotos löschen
Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen haben sich vor Gericht gegen einen Wikipedia-Nutzer durchgesetzt, der Fotos ihrer Objekte hochgeladen hatte. Das Landgericht Stuttgart hat entschieden, dass der Fotograf es unterlassen muss, Bilder der Museumsobjekte auf Wikipedia anzubieten. 

EuGH: Kein Software-Weiterverkauf, wenn nur noch Sicherungskopie vorhanden
Wer Software kauft, darf sie auch weiterverkaufen, wenn er sie nicht mehr verwendet. Das gilt nicht nur für Software auf CD oder DVD, sondern auch für Downloads und die damit verbundene Lizenz. Anders liegt der Fall aber, wenn nur noch die Sicherungskopie eines Datenträgers vorhanden ist, so der Europäische Gerichtshof (EuGH) in einer heutigen Entscheidung.

Bundesrat: Hessen will AGB verständlicher machen
Die Saarbrücker Zeitung weist auf eine Bundesratsinitiative des Landes Hessen hin: Die schwarz-grüne Koalition will die Bundesregierung über die Länderkammer auffordern, sich für höhere Anforderungen an Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) einzusetzen.

Europäische Vorgaben für das deutsche Recht: Die Harmonisierung des Urheberrechts
So frei, wie man vielleicht denken mag, ist der deutsche Gesetzgeber bei der Regelung des Urheberrechts nicht. Die Entwicklung wird seit Anfang der neunziger Jahre erheblich durch die europäische Gesetzgebung beeinflusst.

Bildung und Wissenschaft nur mäßig begeistert über EU-Urheberrechtsentwurf
Die Entwürfe der EU-Kommission zur Urheberrechtsreform haben erste Kritik von Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen erfahren. Die geplanten Regelungen für Unterricht und Forschung enthielten zwar gute Ansätze, aber viele nachteilige Einschränkungen.

Verbraucherschützer: Weiter Schlupflöcher für Abmahnanwälte
Trotz gesetzlicher Begrenzung müssen viele Nutzer bei Urheberrechts-Abmahnungen tiefer in die Tasche greifen, sagen jedenfalls Verbraucherschützer. Sie zweifeln daran, dass die Bundesregierung unseriöse Abmahnpraktiken bremsen konnte.

Website macht die Kunst des Samplings erfahrbar
In seinem im Frühjahr veröffentlichten Album „Everything’s Beautiful“ arbeitet der Jazzmusiker Robert Glasper durchgängig mit Samples aus dem Werk von Miles Davis. Die Seite Polygraph, die sich visuellem Erzählen widmet, macht die Kunst des Samplings jetzt anschaulich.

Klage gegen Youtube-MP3-Konverter: Für Nutzer ändert sich vorerst nichts
Musikfirmen und Verbände der Musikindustrie gehen in den USA gegen den Konvertierungsdienst Youtube-MP3.org vor. Für Nutzer in Deutschland ändert sich vorerst nichts: Download und MP3-Umwandlung von Videos sind für sie meist als Privatkopie erlaubt.

---

Publikationen

Band „Föderale Vielfalt – Globale Vernetzung“ erschienen
Das Buch „Föderale Vielfalt – globale Vernetzung“ ist in der Schriftenreihe der Deutschen Digitalen Bibliothek erschienen. Es stellt die Strategien und Konzepte zur Digitalisierung des kulturellen Erbes in den einzelnen Bundesländern dar und wirft einen Blick über den nationalen Tellerrand hinaus. Der Band wurde herausgegeben von Ellen Euler und Paul Klimpel vom iRights.Lab Kultur.

Broschüre: Wer regiert das Internet?
Die Regulierung des Internets geht alle etwas an, denn das Netz ist omnipräsent. Wie funktioniert Internetregulierung? Welche Modelle gibt es? Wer regiert eigentlich das Internet? Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat das iRights.Lab eine Broschüre erstellt, die sich mit genau diesen Fragen beschäftigt. Sie gibt einen Überblick über die Geschichte der Internetregulierung, erläutert Regulierungsansätze und zeigt Gestaltungsmöglichkeiten auf.

Das Netz – Jahresrückblick 2016/2017 vorbestellbar
Hintergrundartikel, Interviews und Kommentare zu den wichtigsten Ereignissen des digitalen Jahres – wir arbeiten jetzt schon an einer neuen Ausgabe „Das Netz“. Sie kann jetzt vorbestellt werden – mehr unter irights-media.de

---

Veranstaltungen

Die Bundestagsfraktion der Grünen veranstaltet am 28. Oktober 2016 den 3. Netzpolitischen Kongress im Bundestag in Berlin, kurz #NK16, Motto „Für eine Ethik der digitalen Gesellschaft“. Interessierte können sich noch bis Freitag über einen „Call for Workshops“ einbringen.

Am Samstag, den 29. Oktober 2016, findet in Köln der Digital Education Day statt, ein Bildungs-Barcamp für Lehrende und andere Interessierte, veranstaltet von der Stadt Köln.Als Referent dabei ist auch iRights.info-Redakteur Henry Steinhau. Im Workshop „Keine Angst vorm Urheberrecht“ geht es um freie Lizenzen und offene Bildungsmaterialien (OER).

Das dritte Festival „Swap Netzkultur“ steht unter dem Motto „Superzukunft“. Vom 1. bis zum 6. November 2016 werden in Halle und Magdeburg unter anderem Technikworkshops, Sessions zu politischer Bildung, Kunst, Kultur und Filmvorführungen geboten. 

Das diesjährige Symposion des Forums Medien und Entwicklung beschäftigt sich am 3. und 4. November 2016 in den Räumen der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin mit Medienarbeit in Krisengebieten unter dem Titel „Observer, Agitator, Target: Media and Media Assistance in Fragile Contexts“, veranstaltet vom Medien-Nonprofit MiCT.

Das Programm der internationalen Konferenzreihe „Zugang gestalten!“ steht. Sie befasst sich mit der Digitalisierung in Bibliotheken, Museen, Archiven und anderen Gedächtnis­organisationen. Die sechste Ausgabe wird von iRights.info mitveranstaltet und findet am 17. und 18. November im Hamburger Bahnhof Berlin sowie im Arsenal Filmhaus statt.

---

Anderswo im Web  

Wie das Börsenblatt berichtet, leitet die VG Wort nun Rückforderungen an Verlage ein, um rechtswidrig ausgeschüttete Tantiemen an Autoren zurückzuzahlen. Laut einem Beschluss sollen die Beträge in der Regel bis zum 30. November 2016 bei der VG Wort eingehen. Wie genau die Rückzahlung ablaufen soll, ist aber noch nicht entschieden.

Den öffentlich-rechtlichen Sendern rät ein jüngst vom ZDF-Fernsehrat beauftragtes Gutachten (PDF), ihre Mediatheken zu echten Online-Plattformen auszubauen, meldet Heise Online. Auch die Sieben-Tage-Regel sei nicht zeitgemäß, so die Autoren Dieter Dörr, Bernd Holznagel und Arnold Picot. Was es mit schwarzen und roten Freundeskreisen beim Fernsehrat auf sich hat, die es eigentlich gar nicht gibt, hat Stefan Niggemeier bei Übermedien aufgeschrieben.

Ob Lagemeldungen der Bundeswehr urheberrechtlich geschützt sind, wird bald der Bundesgerichtshof entscheiden, berichtet Thomas Wiegold auf augengeradeaus.net. Denn nicht auf Geheimhaltung, sondern aufs Urheberrecht stützte das Verteidigungsministerium eine Klage gegen Veröffentlichungen der WAZ-Gruppe.

Zeichen für die Polizistin und die Bauarbeiterin, Hautfarben und Familien aller Schattierungen: Während sich unsere herkömmlichen Sprachen noch mühen, die darin tradierten Diskriminierungen abzuschütteln, ist die Weltsprache Emoji bereits vorausgeeilt, schreibt Julian Dörr bei Jetzt

Zumindest auf etwaige Zeichensatz-Lücken bei mehrsprachigen herkömmlichen Texten hat die neue Schriftart-Familie „Noto“ eine Antwort, die Monotype und Google vergangene Woche vorgestellt und unter freier Lizenz veröffentlicht haben. Rund 800 Sprachen sind darin enthalten.

---

Wenn Sie Hinweise auf Veranstaltungen, Texte und Veröffentlichungen zum Thema „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt” haben, freuen wir uns auf E-Mails an post@irights.info. 

iRights.info bei Twitter: @iRightsinfo

iRights.info bei Facebook: facebook.com/iRightsinfo

iRights.info im Feed: iRights.info/feed

 

---