iRights.info-Newsletter vom 29. September 2016

Liebe Leserinnen und Leser, 

in ihrer Bestandsaufnahme zum Internet Archive reiht Alexis Rossi eine Riesenzahl an die andere: 470 Milliarden Ressourcen in der Wayback Machine, eine Million durchsuchbare US-Nachrichtensendungen, 150.000 Live-Konzerte von mehr als 6.000 Bands, 20 Millionen Bücher, 25 Petabytes an Daten. Seit zwanzig Jahren speichert das Internet Archive das Internet, Fernsehsendungen, Bilder, Filme, Software – eine einzigartige Bibliothek des menschlichen Wissens.

All das ist auch deshalb möglich, weil es im US-amerikanischen Copyright Ausnahmeregelungen für öffentliche Bibliotheken gibt. Ein solches Archiv, das zu weiten Teilen jeder über das Netz nutzen kann, wäre in Europa nicht möglich.

Mit den ihnen auferlegten Regelungen hadern auch die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland. Sie dürfen keine Angebote machen, die als zu „presseähnlich“ gelten. Im Gastbeitrag zeichnet Tabea Rößner nach, wie die Medienregulierung von der Zukunft überrrollt wurde.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen die iRights.info-Redaktion!

Valie Djordjevic 

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Neu bei iRights.info 

Kontaktloses Bezahlen mit Nebenwirkungen
Kontaktloses Bezahlen verbreitet sich zunehmend im Handel. Ob Kunden dabei mehr Daten preisgeben als auf anderen elektronischen Wegen, hängt nicht von der Funktechnologie ab, sondern vom Anbieter und dem Bezahlkonzept. Ein genauer Blick lohnt sich.

Urheberrechtsreform: Pläne der EU-Kommission würden europäischen Medienplattformen das Leben schwer machen
Die EU-Kommission will Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten neue Auflagen machen. Statt einen digitalen Binnenmarkt zu unterstützen, würden gerade europäische Dienste ausgebremst, freie und nicht-kommerzielle Plattformen in der EU behindert, kommentiert Joachim Losehand.

Öffentlich-rechtlich im Netz neu denken
In dieser Woche entscheidet das Oberlandesgericht Köln erneut darüber, ob die Tagesschau-App „presseähnlich“ ist. Der Streit macht deutlich, wie die Medienregulierung von der Zukunft überrollt wurde. Was der öffentlich-rechtliche Auftrag im Netz bedeutet, müsste jenseits überholter Begriffe neu bestimmt werden. Ein Gastkommentar von Tabea Rößner, Bundestagsabgeordnete der Grünen.

Sammeln, bewahren, zugänglich machen: So arbeitet das „Internet Archive“
Vor 20 Jahren gründete sich in den USA die gemeinnützige Organisation „Internet Archive“. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, Webseiten, Texte, Fotos, Audio- und Video-Werke sowie Videospiele und Software dauerhaft zu speichern und zur Verfügung zu stellen. Alexis Rossi vom Internet Archive beschreibt, wie sich dessen Arbeitsfelder und Ziele fortentwickelt haben.

Netflix: Creative Commons und Open Source für den Maschinenraum
Bei Netflix gibt es jetzt Creative Commons – in Form des 12-minütigen Streifens „Meridian“. Netflix-Abonnenten können den Kurzfilm auch in Deutschland im Stream anschauen, werden das aber kaum des Inhalts wegen tun: Es handelt sich um Material, das für Testzwecke hergestellt wurde. Wie Janko Röttgers bei Variety berichtet, sind die Zielgruppe von „Meridian“ andere Entwickler und Hardware-Hersteller.

Europäischer Gerichtshof dämpft Hoffnung auf mehr offene WLANs
Wer mit anderen sein WLAN teilt, haftet zwar grundsätzlich nicht für fremde Rechtsverletzungen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hält es aber für angemessen, wenn der Zugang zum WLAN-Netz mit einem Passwort gesichert wird.

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Publikationen

Band „Föderale Vielfalt – Globale Vernetzung“ erschienen
Das Buch „Föderale Vielfalt – globale Vernetzung“ ist in der Schriftenreihe der Deutschen Digitalen Bibliothek erschienen. Es stellt die Strategien und Konzepte zur Digitalisierung des kulturellen Erbes in den einzelnen Bundesländern dar und wirft einen Blick über den nationalen Tellerrand hinaus. Der Band wurde herausgegeben von Ellen Euler und Paul Klimpel vom iRights.Lab Kultur.

Broschüre: Wer regiert das Internet?
Die Regulierung des Internets geht alle etwas an, denn das Netz ist omnipräsent. Wie funktioniert Internetregulierung? Welche Modelle gibt es? Wer regiert eigentlich das Internet? Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat das iRights.Lab eine Broschüre erstellt, die sich mit genau diesen Fragen beschäftigt. Sie gibt einen Überblick über die Geschichte der Internetregulierung, erläutert Regulierungsansätze und zeigt Gestaltungsmöglichkeiten auf.

Das Netz – Jahresrückblick 2016/2017 vorbestellbar
Hintergrundartikel, Interviews und Kommentare zu den wichtigsten Ereignissen des digitalen Jahres – wir arbeiten jetzt schon an einer neuen Ausgabe „Das Netz“. Sie kann jetzt vorbestellt werden – mehr unter irights-media.de

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Veranstaltungen

Der Künstlerverbund „Disruption Network Lab“ setzt am 30. September und 1. Oktober seine Konferenzserie „Art and Evidence” fort. Das Thema: Ignorance: The Power of Non-Knowledge. Mit der Theoriegruppe Ippolita, dem Soziologen Matthias Gross, der Soziologin Joana Kemper und vielen weiteren Gästen im Kunstquartier Bethanien in Berlin.

Zum dritten Mal veranstaltet Netzpolitik.org am 7. Oktober die Konferenz „Das ist Netzpolitik“. Mit dabei: Markus Beckedahl, Julia Reda, Constanze Kurz, Jillian York und viele mehr. Themen sind Überwachung, Datenschutz, Urheberrecht – all things digital. 

Connecting Women in Computing and Technology“ ist das Motto des Ada-Lovelace-Festivals, das zum zweiten Mal am 13. und 14. Oktober 2016 stattfindet, veranstaltet von der Wirtschaftswoche und Euroforum/Informa. In der Bolle-Meierei in Berlin-Moabit tauschen sich IT- und Tech-Profis über Branchenentwicklungen aus.

Am 14. und 15. Oktober in München findet der Zündfunk-Netzkongress statt. Darin geht es um Wahlkampf, Hassrede im Netz, Biohacking, Netzmeme und vieles mehr. SprecherInnen sind unter anderem Jewgeni Morosow, Hossein Derakhshan, Liane Bednarz und Kübra Gümüsay. 

Die Bundestagsfraktion der Grünen veranstaltet am 28. Oktober 2016 den 3. Netzpolitischen Kongress im Bundestag in Berlin, kurz #NK16, Motto „Für eine Ethik der digitalen Gesellschaft“. Interessierte können sich noch bis Freitag über einen „Call for Workshops“ einbringen.

Das dritte Festival „Swap Netzkultur“ steht unter dem Motto „Superzukunft“. Vom 1. bis zum 6. November 2016 werden in Halle und Magdeburg unter anderem Technikworkshops, Sessions zu politischer Bildung, Kunst, Kultur und Filmvorführungen geboten. 

Das diesjährige Symposion des Forums Medien und Entwicklung beschäftigt sich am 3. und 4. November 2016 in den Räumen der Robert-Bosch-Stiftung in Berlin mit Medienarbeit in Krisengebieten unter dem Titel „Observer, Agitator, Target: Media and Media Assistance in Fragile Contexts“, veranstaltet vom Medien-Nonprofit MiCT.

Das Programm der internationalen Konferenzreihe „Zugang gestalten!“ steht. Sie befasst sich mit der Digitalisierung in Bibliotheken, Museen, Archiven und anderen Gedächtnis­organisationen. Die sechste Ausgabe wird von iRights.info mitveranstaltet und findet am 17. und 18. November im Hamburger Bahnhof Berlin sowie im Arsenal Filmhaus statt.

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Anderswo im Web  

Patrick Beuth beschreibt auf Zeit Online, wie DRM Geräte-Eigentümer enteignet. Neuestes Beispiel: HP-Drucker funktionieren plötzlich nicht mehr mit den Patronen von anderen Anbietern. Das Firmware-Update, das dafür wahrscheinlich verantwortlich ist, wurde zwar schon im März veröffentlicht, aber jetzt erst aktiviert. 

Die Verlagsgruppen Holtzbrinck und Bonnier hatten sich im Frühjahr mit dem Bibliotheksdienstleister EKZ geeinigt: Bibliotheken sollten auch deren E-Books in der „Onleihe“ anbieten können. Doc angesichts der Konditionen haben einige Bibliotheken nun entschieden, keine Lizenzen zu erwerben, berichtet Buchreport. Bald wird auch der EuGH entscheiden, ob Bibliotheken für E-Books einzelne Lizenzen erwerben müssen.

iRights.info-Mitherausgeber Till Kreutzer spricht mit Thierry Chervel beim Perlentaucher über die EU-Urheberrechtsreform und das Leistungsschutzrecht für Presseverlage: „Wenn nicht [...] noch eine Bagatellgrenze eingefügt wird [...], kommt das neue LSR einem Monopolschutz von reinen Informationen sehr nahe.“

Mit dem EuGH-Urteil zur WLAN-Störerhaftung befasst sich Reto Mantz bei offenenetze.de. Sein Fazit fällt ebenfalls trübe aus: Nicht nur für Freifunk-Netze, sondern für öffentliche Netze schlechthin werden Sicherungspflichten und das Kostenrisiko bei Abmahnungen ein Entwicklungshindernis bleiben.

Norbert Krüger ist Professor für Robotik an der Süddänischen Universität in Odense und überzeugt, dass Menschen irgendwann Maschinen konstruieren werden, die intelligenter sind als sie selbst. Es kann allerdings noch ein bisschen dauern. Im Interview bei Heise Online gibt er einen Ausblick. 

Es war ein ungewöhnlich heftiger DDoS-Angriff auf die Webseite des Sicherheitsexperten Brian Krebs („Krebs on Security“). Er verdächtigt ein Bot-Netzwerk von Geräten aus dem Internet der Dinge: WLAN-Router, Spielekonsolen, Überwachungskameras, Haussteuerungen. Sie sind weniger abgesichert als PCs. Brauchen wir Anti-Viren-Softwäre für den vernetzten Kühlschrank? 

Bei Backchannel gibt es ein Portrait über den Venture-Capital-Gründer Mike Rothenberg, dessen Firma kurz vor dem Bankrott steht: Einsichten in eine Welt zwischen Party, Millionendeals und the next big thing: Wie Techfirmen unsere Gesellschaft prägen.

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Wenn Sie Hinweise auf Veranstaltungen, Texte und Veröffentlichungen zum Thema „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt” haben, freuen wir uns auf E-Mails an post@irights.info. 

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Foto im Header: Foto: Jason ScottCC BY 

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