iRights.info-Newsletter vom 15. September 2016

Liebe Leserinnen und Leser, 

willkommen zurück nach der Sommerpause! Der iRights.info-Newsletter ist diesmal besonders voll, damit Sie nach Ihrem Urlaub (den Sie hoffentlich hatten) all das aufholen können, was Sie verpasst haben. 

Ein beherrschendes Thema der letzten Wochen war die VG Wort und die anstehende Rückzahlung der Kopierabgabe an Autoren. Wir haben dazu einen Kommentar von Wolfgang Michal und eine Presseschau und Einordnung veröffentlicht. Weiter geht es dann im November, da es bei der Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche zu keiner Einigung gekommen ist. 

Weitere Themen sind die kommenden Reformen am Urheberrecht in der EU und in Deutschland. Martin Kretschmer spricht im Interview über neue Ansätze für digitale Bibliotheken und verwaiste Werke. Und wir erläutern, was Journalisten beachten sollten, wenn sie ihre eigenen Texte auf ihrer Website veröffentlichen wollen. 

Spätsommerliche Grüße aus der iRights.info-Redaktion,

Valie Djordjevic 

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Neu bei iRights.info 

 

VG Wort und die Kopiervergütung

VG Wort: Noch keine Einigung über Rückforderung an Verlage
Nachdem sich eine Mitgliederversammlung der Verwertungsgesellschaft nicht auf ein Vorgehen bei den anstehenden Nachzahlungen für Autoren einigen konnte, gehen die Berichte über die Zukunft der VG Wort weit auseinander. Eine Presseschau und eine Einschätzung.

Sind die Autoren so reich, dass sie ihr Geld verschenken können?
Die VG Wort hat laut Bundesgerichtshof zu Unrecht Geld aus der Kopiervergütung an die Verlage ausgeschüttet. Dieses muss nun zurück an Urheber. Die Führung der VG Wort möchte allerdings, dass die Autoren zugunsten der Verleger auf das Geld verzichten. Wolfgang Michal fragt, warum. 

Kopiervergütung: Vogel sieht Nachzahlung für Autoren gefährdet
Der Urheberrechtler Martin Vogel hat sich im Streit um das Geld der VG Wort erneut zu Wort gemeldet und fordert ein Eingreifen der zuständigen Aufsichtsbehörde, des Deutschen Patent- und Markenamts. Das müsse tätig werden, um eine „ordnungsgemäße und vollständige“ Verteilung der Vergütungen sicherzustellen, die den Autoren zustünden. 

Weitere Themen

Europäischer Gerichtshof dämpft Hoffnung auf mehr offene WLANs
Der Europäische Gerichtshof hat zur WLAN-Störerhaftung entschieden: Wer mit anderen sein Netz teilt, haftet zwar nicht für fremde Rechtsverletzungen. Der Gerichtshof hält es aber für angemessen, den WLAN-Zugang mit einem Passwort zu sichern. Wer in seinen Urheberrechten verletzt wird, kann weiterhin einen Unterlassungsanspruch gegen den WLAN-Betreiber durchsetzen.

EU-Kommission: Mehr vom alten statt neuem Urheberrecht
Statt das Urheberrecht zu modernisieren, will die EU-Kommission die Probleme durch mehr Rechte, mehr Lizenzen und mehr Kontrollen lösen. Mit ihren Plänen stellt sie sich hinter alte Industrien – doch im Ergebnis würden erneut die großen Plattformen gestärkt. Ein Kommentar von David Pachali

Grüße aus dem Urlaub! Die Panoramafreiheit bleibt lückenhaft
Der Sommer ist fast vorbei und wir teilen unsere mit viel Einsatz gemachten Urlaubsfotos. Sollte ja alles kein Problem sein: Wurde letztes Jahr nicht die Panoramafreiheit in Europa gerettet? Dennoch gibt es nicht in allen europäischen Ländern Regelungen, die das unbesorgte Teilen von Fotos erlauben.

Abmahnbeantworter: Anwälte sehen noch Mängel an Briefgenerator
Ein Webdienst soll dabei helfen, auf unberechtigte Abmahnungen für Filesharing zu reagieren – und zugleich ein Signal gegen den verbreiteten Abmahnmissbrauch setzen. Anwälte sehen aber noch Schwächen beim Dienst.

Wie Blockchain die Wissenschaft verbessern könnte
Die Blockchain-Technologie inspiriert auch Forscher zu neuen Anwendungen: Bei der Überprüfbarkeit von Ergebnissen, bei der Forschungsförderung und im wissenschaftseigenen Reputations­system wollen sie das verteilte Register einsetzen. Die Ideen sind vielversprechend, der Praxistest aber steht noch aus, berichten Benedikt Fecher und Sönke Bartling.

Martin Kretschmer: „Niemand hat etwas davon, wenn Werke nicht genutzt werden können“
Viele alte Texte, Fotos oder Grafiken könnten in digitalen Bibliotheken zugänglich sein, doch der Hemmschuh dabei sind meist ungeklärte Rechte. Neue Lösungsmodelle für ungenutzte und verwaiste Werke stoßen zu oft auf Abwehr, sagt der Urheberrechtsforscher Martin Kretschmer.

Gebühren für Anfragen: Teure Informationsfreiheit
Wenn Bürger oder Journalisten Informationen von öffentlichen Stellen erfragen, werden oft hohe Gebühren verlangt. Dadurch werden sie abgeschreckt, ihr Recht auf Informationsfreiheit wahrzunehmen. Das sollte sich ändern, fordert Arne Semsrott.

Urheber-Verträge: Die Chance zur Reform verpasst
Wie Verträge zwischen Urhebern und Verwertern gestaltet werden können, gehört zu wichtigsten Regelungen im Urheberrecht. Doch der aktuelle Reformentwurf macht deutlich: Die Bundesregierung ist vor der Lobby der Verwerter eingeknickt. iRights.info-Mitherausgeber Till Kreutzer analysiert die Pläne. 

Wiener Gericht: FPÖ verletzte Creative-Commons-Lizenz
Die Videogruppe Filmpiraten hat ein Verfahren gegen die österreichische Partei FPÖ in erster Instanz gewonnen. Die Filmpiraten hatten eine Dokumentation unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht, die FPÖ hatte Teile daraus entgegen der Lizenz verwendet. 

Entwurf zum Urheberrecht: EU-Kommission skizziert weitere Schritte
Die geplanten Änderungen am EU-Urheberrecht werden konkreter, wie aus einem noch inoffiziellen Entwurf aus der EU-Kommission hervorgeht. So soll ein neues Leis­­tungsschutzrecht kommen und Online-Dienste sollen zu Vereinbarungen mit Rechteinhabern angehalten werden. Mit Einschränkungen werden Reformen für Bildung, Archive und Forschung angekündigt. 

„Computersicherheit und Verschlüsselung sind zu kompliziert für mich“ – wirklich?
Viele Nutzer sind der Ansicht, dass Computersicherheit kompliziert und nur etwas für ExpertInnen ist. Was ist dran an dieser Aussage? iRights.info-Autorin Susanne Lang hat sich das einmal genauer angeschaut. 

Was ist Copyleft?
Das Wort „Copyleft“ steht besonders in der Software-Welt für einen speziellen Kunstgriff: Entwickler nutzen das Urheberrecht, um Freiheiten für spätere Nutzer und Entwickler zu erhalten, statt diese einzuschränken. Ben Cotton erläutert, was Copyleft-Lizenzen auszeichnet und was sie von Open Source im Allgemeinen unterscheidet.

Eigene Artikel erneut veröffentlichen: Portfolio kann zum Stolperstein werden
Journalistinnen und Journalisten stellen ihre Artikel für Verlage häufig auch auf ihr Blog oder eine Webseite. Das kann teuer werden, wenn sie die Rechte abgegeben haben und eine Erlaubnis dazu fehlt.

Reihe: Datenschutz auf Webseiten

Einwilligungserklärungen bei Kontaktformularen, Mitmach-Aktionen und Gewinnspielen
Wer auf seiner Webseite Möglichkeiten der Kommunikation und Interaktion anbietet, muss zumeist nicht nur in seiner Datenschutzerklärung darauf hinweisen, sondern braucht eine wirksame Einwilligung der Personen, von denen Daten erhoben werden. Ein Beitrag in unserer Reihe „Datenschutz auf Webseiten“.

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Publikationen

Broschüre: Wer regiert das Internet?
Die Regulierung des Internets geht alle etwas an, denn das Netz ist omnipräsent. Wie funktioniert Internetregulierung? Welche Modelle gibt es? Wer regiert eigentlich das Internet? Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat das iRights.Lab eine Broschüre erstellt, die sich mit genau diesen Fragen beschäftigt. Sie gibt einen Überblick über die Geschichte der Internetregulierung, erläutert Regulierungsansätze und zeigt Gestaltungsmöglichkeiten auf.

Band „Föderale Vielfalt – Globale Vernetzung“ erschienen
Das Buch „Föderale Vielfalt – globale Vernetzung“ ist in der Schriftenreihe der Deutschen Digitalen Bibliothek erschienen. Es stellt die Strategien und Konzepte zur Digitalisierung des kulturellen Erbes in den einzelnen Bundesländern dar und wirft einen Blick über den nationalen Tellerrand hinaus. Der Band wurde herausgegeben von Ellen Euler und Paul Klimpel vom iRights.Lab Kultur.

Das Netz – Jahresrückblick 2016/2017 vorbestellbar
Hintergrundartikel, Interviews und Kommentare zu den wichtigsten Ereignissen des digitalen Jahres – wir arbeiten jetzt schon an einer neuen Ausgabe „Das Netz“. Sie kann jetzt vorbestellt werden – mehr unter irights-media.de

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Veranstaltungen

Beim „ABC des Freien Wissens“, einer Veranstaltungsreihe des Vereins Wikimedia, heißt das nächste Thema „Macht der Daten - Daten der Macht.“ Frage des Abends ist, wie eine demokratische Teilhabe an der Datenmacht aussehen kann. Mit dabei sind die Politikwissenschaftlerin Ulrike Höppfner, der Datenschützer Peter Schaar und Matthias Spielkamp, Vorstandsmitglied bei Reporter ohne Grenzen und Mitherausgeber von iRights.info. Am 22. September 2016 in Berlin.

Der Künstlerverbund „Disruption Network Lab“ setzt am 30. September und 1. Oktober seine Konferenzserie „Art and Evidence” fort. Das Thema: Ignorance: The Power of Non-Knowledge. Mit der Theoriegruppe Ippolita, dem Soziologen Matthias Gross, der Soziologin Joana Kemper und vielen weiteren Gästen im Kunstquartier Bethanien in Berlin.

Connecting Women in Computing and Technology“ ist das Motto des Ada-Lovelace-Festivals, das zum zweiten Mal am 13. und 14. Oktober 2016 stattfindet, veranstaltet von der Wirtschaftswoche und Euroforum/Informa. In der Bolle-Meierei in Berlin-Moabit tauschen sich IT- und Tech-Profis über Branchenentwicklungen aus.

Am 14. und 15. Oktober in München findet der Zündfunk-Netzkongress statt. Darin geht es um Wahlkampf, Hassrede im Netz, Biohacking, Netzmeme und vieles mehr. SprecherInnen sind unter anderem Jewgeni Morosow, Hossein Derakhshan, Liane Bednarz und Kübra Gümüsay. 

Das dritte Festival „Swap Netzkultur“ steht unter dem Motto „Superzukunft“. Vom 1. bis zum 6. November 2016 werden in Halle und Magdeburg unter anderem Technikworkshops, Sessions zu politischer Bildung, Kunst, Kultur und Filmvorführungen geboten. 

Das Programm der internationalen Konferenzreihe „Zugang gestalten!“ steht. Sie befasst sich mit der Digitalisierung in Bibliotheken, Museen, Archiven und anderen Gedächtnis­organisationen. Die sechste Ausgabe wird von iRights.info mitveranstaltet und findet am 17. und 18. November im Hamburger Bahnhof Berlin sowie im Arsenal Filmhaus statt.

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Anderswo im Web  

Viele Museen geben sich digitale Strategien. Anregungen dafür will der Leitfaden „Open up! Museum“ geben, zu dem auch Paul Klimpel vom iRights.Lab einen Beitrag beigesteuert hat. Der 60-seitige Ratgeber wendet sich primär an Mitarbeiter von Museen, die darin „Impulse, Anregungen, Hilfestellungen und Argumente für die Umsetzung digitaler Strategien“ finden sollen.

Stefan Niggemeier berichtet von der VG-Wort-Mitgliederversammlung, auf der es um die Rückzahlung der Kopiervergütungsmillionen ging. Auch für die Zukunft sieht es nicht gut aus: Die Fronten werden bei der nächsten Sitzung noch verhärteter sein, meint Niggemeier. 

Can Big Data find the next Harry Potter?“ fragt The Atlantic. Die Software Bestseller-ometer will mit 80-prozentiger Sicherheit vorhersagen, ob ein Buch ein Bestseller werden könnte oder nicht. Die Entwickler haben mehr als 20.000 Romane untersuchen lassen. 

In Sascha Lobos Mittwochskolumne findet sich diese Woche ein Abgesang auf Wikileaks. Es geht unter anderem um Ähnlichkeiten zwischen Julian Assange und Donald Trump: „Bei Trump wie bei Assange sind es immer die anderen, die Fehler gemacht haben, die Schmierenkampagnen fahren, die mit Dreck werfen.“ 

Dirk Peitz rezensiert auf Zeit Online Werner Herzogs neuen Dokumentarfilm „Lo and Behold“. „Träumt das Internet von sich selbst?“ fragt Herzog zwei Hirnforscher. Die wissen nicht recht, was sie antworten sollen. Das mache den Film aus: Herzog stellt Fragen, die andere nicht stellen und auf die es keine schnellen Antworten gibt. Bis der Film in Deutschland zu sehen ist, müssen wir uns mit seinem Twitter-Alter-ego Werner Twertzog begnügen.

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Wenn Sie Hinweise auf Veranstaltungen, Texte und Veröffentlichungen zum Thema „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt” haben, freuen wir uns auf E-Mails an post@irights.info. 

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Foto im Header: Alex LiivetCC0Foto zum Jahresrückblick von Derek Yu, CC BY-SA

 

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