iRights.info-Newsletter vom 16. Juni 2016

Liebe Leserinnen und Leser, 

Streit um die Störerhaftung, um die Kopiervergütung und um verwandte Schutzrechte: Das Urheberrecht und angrenzende Regelungen stehen nach wie vor von allen Seiten in der Kritik. iRights.info informiert Sie weiterhin über die Entwicklungen – sachlich, aber mit eigener Haltung. Marion Goller fragt, wie weit Leistungsschutzrechte noch zeitgemäß sind. David Pachali diagnostiziert, dass die tieferen Probleme beim Streit um die WLAN-Haftung weiterhin ignoriert werden. Henry Steinhau berichtet über die Pläne der VG Wort nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs.

Viel Spaß beim Lesen und mit den besten Grüßen aus der iRights.info-Redaktion,

Ihre Valie Djordjevic

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Neu bei iRights.info 

Rechtewirrwarr bei Museen im Web
„Display at your own risk“ heißt ein Projekt der britischen Forscherin Andrea Wallace. Sie und ihr Team haben Rechtehinweise und Metadaten von digitalisierten gemeinfreien Kunstwerken untersucht. Das Ergebnis: Wirrwarr. Daraus entstanden ist eine Ausstellung und ein Essayband. 

Datenschutz auf Webseiten: Was sollten Newsletter-Anbieter beachten?
Auch bei Newslettern gibt es für die Betreiber von Webseiten und Kinderwebseiten einige Regeln zu beachten. Die wichtigsten werden hier vorgestellt. Ein neuer Text aus unserer Reihe „Datenschutz auf Webseiten“ in Zusammenarbeit mit dem Verein Seitenstark. 

Verwandte Schutzrechte — ein Anachronismus?
Neben den Rechten der Urheber kennt das Urheberrechtsgesetz sogenannte verwandte Schutzrechte. Sie wurden eingeführt, um die wirtschaftliche Leistung der Hersteller von Tonträgern, Lichtbildern und Filmaufnahmen zu schützen. Mit der Digitalisierung sinken solche Kosten immer weiter – dennoch werden Leistungsschutzrechte ausgeweitet, so Marion Goller.

Sieben Tage und Schluss? Mediatheken aufnehmen und Sendungen speichern
Wer Inhalte aus den öffentlich-rechtlichen Mediatheken sehen will, muss sich oft beeilen, bevor sie wieder verschwinden. Einige Angebote und Werkzeuge helfen, Sendungen auch später ansehen zu können.

Der unsichtbare Müll der Informationsgesellschaft
Eine Ausstellung in Linz zeigt die weggeworfenen Reste unserer Informationsgesellschaft, die für uns meist unsichtbar bleiben. Elektroschrott und Datenmüll werden zum Material der Kunst.

Was bleibt von der Kritik an Whatsapp?
Whatsapp galt lange als Sorgenkind bei Datenschutz und Datensicherheit, doch in letzter Zeit hat sich manches bewegt. So verschlüsselt der Dienst nun nahezu durchgängig die ausgetauschten Inhalte, auch Kritiker loben Fortschritte. Mangelnde Transparenz des Codes und der Zugriff aufs Adressbuch werden aber weiterhin kritisch bewertet. 

VG Wort will im Herbst über Nachzahlung für Autoren entscheiden
Die VG Wort will auf das Urteil des BGH reagieren, nach dem sie Kopiervergütungen nicht pauschal an Verlage überweisen darf. Eigentlich. Wie und wann sie Geld von Verlagen zurückfordert und an Autoren neu verteilt, will die Verwertungsgesellschaft erst im Herbst entscheiden.

Risiko Störerhaftung: Symptom eines kaputten Urheberrechts
Die WLAN-Störerhaftung ist ein Problem, auch das neue Gesetz wird es nicht vollständig lösen. Alle verschließen die Augen vor der tieferen Ursache: einem verkorksten Urheberrecht. Ein Kommentar von David Pachali. 

Urheber-Verträge: Das sagen die Fraktionen im Bundestag zur Reform [Update]
Der Bundestag hat sich nun in erster Lesung mit den Reformplänen beim Vertragsrecht für Urheber beschäftigt. Es könnte noch Änderungen geben, aber offen bleibt, wie sie genau aussehen sollen.

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Publikationen

Das Netz – Jahresrückblick 2016/2017 vorbestellbar
Hintergrundartikel, Interviews und Kommentare zu den wichtigsten Ereignissen des digitalen Jahres – wir arbeiten jetzt schon an einer neuen Ausgabe „Das Netz“. Sie kann jetzt vorbestellt werden – mehr unter irights-media.de

Was genau ist Internet Governance und wie beeinflusst sie unser Leben?
Diese Frage haben sich die Deutsche-Welle-Akademie und das iRights.Lab gestellt. Ergebnis ist das Guidebook Internet Governance – Media freedom in a connected world. Matthias Spielkamp (auch iRights.info-Herausgeber) sprach mit der Deutschen Welle darüber, warum sich jeder für Internet Governance interessieren sollte

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Veranstaltungen

Das Symposium „Deep Cables“ des Disruption Network Labs will die Verdrahtung der Welt beleuchten. Am 17. und 18. Juni geht es unter anderem darum, wer Eigentümer von Land- und Unterwasserkabeln oder Drahtlosnetzwerken ist und was all das fürs politische, soziale und kulturelle Leben bedeutet. Im Kunstquartier Bethanien in Berlin.

Am 23. Juni lädt das Münchner Zentrum für Internetforschung (MCIR) zum Vortrag von Pamela Samuelson. Sie ist Professorin für Recht und Informationsmanagement an der Berkeley Law School und eine der renommiertesten Forscherinnen zum Urheberrecht. Thema: The transformative Impact of the Internet on Copyright (and nearly everything else in the Law)“. Ab 18 Uhr in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

iRights.info-Herausgeber Till Kreutzer spricht am 5. Juli auf dem Bitkom-Forum über Open Source in Berlin über „Distribution als zentralen Begriff des Open-Source-Compliance-Managements – Welche Nutzungen lösen die Lizenzpflichten aus?“ im Sofitel Berlin Kurfürstendamm. 

Die internationale Konferenzreihe „Zugang gestalten!“ befasst sich mit der Digitalisierung in Bibliotheken, Museen, Archiven und anderen Gedächtnis­organisationen. Die sechste Ausgabe wird von iRights.info mitveranstaltet und findet am 17. und 18. November im Hamburger Bahnhof Berlin statt.

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Anderswo im Web  

Björn Wederhake fragt sich bei Zeit Online, wo das Citizen Kane der Videospiele bleibt – ein Videospiel, das künstlerisch mit den Meisterwerken anderer Kunstgattungen mithalten kann. Wegen der narrativen Struktur von Spielen ist es schwierig, eine zusammenhängende Erzählung zu schaffen, neue Strukturen sind nur vage zu erkennen.

Die jetzt eröffnete Berlin-Biennale bietet eine Materialschlacht der Oberflächen und „zarten Dadaismus“, schreibt Kolja Reichert in der FAZ. Allerdings fehlten den Kuratoren, dem New Yorker Künstlerkollektiv DIS, Filter und Struktur: „DIS aggregieren Content, und teils scheint es an Algorithmen zu fehlen, die diesen sortieren und produktiv verknüpfen könnten.“

Der Journalist Henrik Moltke sucht nach den physischen Strukturen der Überwachung: Wo genau überwacht die NSA den Internetverkehr? Wo verlaufen die Kabel, wo stehen die Rechner? Im Interview bei Zeit Online erzählt er, was herauskommt, wenn man dem Kabel folgt.

Durch Self-Publishing können viele Autoren ihre Romane selbst verlegen. Laut einer Reportage bei The Atlantic sind jedoch viele der elektronisch publizierten Werke Plagiate: „In der Welt des Self-Publishing, wo jeder ein Dokument bei Amazon hochladen und es Buch nennen kann, erleben es immer mehr Autoren, dass ihre Arbeit kopiert wird.“

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Wenn Sie Hinweise auf Veranstaltungen, Texte und Veröffentlichungen zum Thema „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt” haben, freuen wir uns auf E-Mails an post@irights.info. 

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