iRights.info-Newsletter vom 2. Juni 2016

Liebe Leserinnen und Leser, 

darauf konnte man gespannt sein: Das Bundesverfassungsgericht hat über Sampling entschieden – zugunsten der Kunstfreiheit. David Pachali sieht im Urteil Konturen einer Bewertung des Samplings nach dem Modell des Fair Use

Die Vorgeschichte des Streits über einen zwei Sekunden langen Tonschnipsel beginnt 1997, als der Produzent Moses Pelham das Kraftwerk-Stück „Metall auf Metall“ sampelte. Und sie ist noch nicht zu Ende: Der Bundesgerichtshof muss anhand der neuen Kriterien erneut entscheiden. Wir halten Sie auf dem Laufenden. 

Mit den besten Grüßen aus der iRights.info-Redaktion,
Ihre Valie Djordjevic

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Neu bei iRights.info 

Sampling: Kunstfreiheit sticht Leistungsschutz – mit einer Prise Fair Use
Kann Sampling erlaubt sein, ohne dass Rechteinhaber zustimmen müssen? Das Verfassungsgericht hat ein Urteil des Bundesgerichtshofs dazu gekippt. Ein zu weitgehender Schutz von Tonaufnahmen schränke die Kunstfreiheit und die kulturelle Fortentwicklung ein. 

Lutz Frühbrodt: Die Content-Marketing-Branche sollte sich einen Verhaltenskodex auferlegen
Wenn Unternehmen sich nicht mit klassischer Werbung, sondern mit Inhalten an Kunden wenden, heißt das Content Marketing. Der Journalismusforscher Lutz Frühbrodt hat untersucht, wie die Techniken genutzt werden. Er sieht die Meinungsbildung gefährdet und schlägt einen Verhaltenskodex vor.

Henning Tillmann, was ist das Problem mit dem Jugendmedienschutz im Internet?
Die Regelungen und Reformpläne beim Jugendmedienschutz stehen immer wieder in der Kritik: Sie würden Gegebenheiten des Internet nicht gerecht. Auch der aktuelle Reformvorschlag sei mit seinen Vorgaben für abgestufte Alterskennzeichnungen nicht praktikabel, sagt der SPD-Netzpolitiker Henning Tillmann.

Ärger mit dem Online-Händler? Die EU will helfen
Eine EU-weite Plattform soll helfen, wenn es zu Streit zwischen Verbrauchern und Online-Händlern kommt. So soll der grenzüberschreitende Online-Einkauf reibungsloser werden. Verbraucherschützer loben die Idee, sind aber noch skeptisch, wie weit sich das freiwillige Modell verbreitet.

Vermehrte Abmahnungen bei Creative-Commons-Fotos
Zahlreiche Nutzer haben Abmahnungen oder Lizenzforderungen erhalten, weil sie Bilder zweier Fotografen genutzt haben, dabei aber nur unvollständige oder keine Angaben entsprechend den Creative-Commons-Lizenzen machen. Die Forderungen und die Vorgehensweise erscheinen fragwürdig, knüpfen aber an häufig vermeidbare Fehler an.

Urheber- und Persönlichkeitsrechte im Internet: Broschüre für Jugendliche, Eltern und Pädagogen in neuer Version erhältlich

Die Broschüre „Nicht alles, was geht, ist auch erlaubt!“ von iRights.info und Klicksafe informiert auf 16 Seiten über Urheber- und Persönlichkeitsrechte im Internet und beantwortet die wichtigsten Fragen. Jetzt ist sie in neuer Auflage wieder erhältlich.

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Veranstaltungen

In Weimar kann man am 3. und 4. Juni den „Digital Bauhaus Summit 2016“ besuchen. Das Motto ist „Luxury Communism“ – ein Gedankenexperiment, das untersucht, was passieren würde, wenn alle Menschen von der Automatisierung profitierten. 

Das Justiz- und Verbraucherschutzministerium lädt am Montag, dem 6. Juni zur Veranstaltung „Privacy by Design – wie wirksam und wegweisend gestalten?“. Mit dabei sind unter anderem VertreterInnen von IBM, dem Verbraucherzentrale Bundesverband, dem Bitkom, außerdem Matthias Spielkamp, Herausgeber von iRights.info. 15 bis 17 Uhr, Gustav-Heinemann-Saal, Berlin.

Vom 8. bis 10. Juni läuft in Brüssel die EuroDIG-Konferenz. Das Kürzel steht für European Dialog on Internet Governance. Matthias Spielkamp nimmt dort am 9. Juni um 11.30 Uhr an einer Paneldiskussion teil: Will Users' Trust impact on Transnational Data Flows?

Der Verlag iRights.Media lädt ein zu einer Lesung von Wolfgang GründingerAlte-Säcke-Politik: Wie wir unsere Zukunft verspielen“, am Mittwoch, dem 8. Juni ab 18.30 Uhr im ORi, Friedelstraße 8, Berlin-Neukölln. Der Eintritt ist frei.

Das Symposium „Deep Cables“ des Disruption Network Labs will die Verdrahtung der Welt beleuchten. Am 17. und 18. Juni geht es unter anderem darum, wer Eigentümer von Land- und Unterwasserkabeln oder Drahtlosnetzwerken ist und was all das fürs politische, soziale und kulturelle Leben bedeutet. Im Bethanien, Kreuzberg, Berlin.

Am 23. Juni lädt das Münchner Zentrum für Internetforschung (MCIR) zum Vortrag von Pamela Samuelson. Sie ist Professorin für Recht und Informationsmanagement an der Berkeley Law School und eine der renommiertesten Forscherinnen zum Urheberrecht. Thema: The transformative Impact of the Internet on Copyright (and nearly everything else in the Law)“. Ab 18 Uhr in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Die internationale Konferenzreihe „Zugang gestalten!“ befasst sich mit der Digitalisierung in Bibliotheken, Museen, Archiven und anderen Gedächtnis­organisationen. Die sechste Ausgabe wird von iRights.info mitveranstaltet und findet am 17. und 18. November im Hamburger Bahnhof Berlin statt.

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Anderswo im Web 

„Why is it impossible to find free wi-fi in Germany?“ – fragt Quartz. Die Antwort wird Sie nicht überraschen. Erklärtermaßen will die Koalition die WLAN-Störerhaftung nun zwar abschaffen, doch ob ihr das gelingt, ist mindestens fraglich. Kritische Einschätzungen dazu lassen sich bei Heise, offenenetze.de oder Jens Ferner nachlesen, Dieter Frey verteidigt den Entwurf.

Die EU-Kommission hat zusammen mit Facebook, Twitter, Youtube und Microsoft einen Verhaltenskodex zu Hetze im Netz entwickelt und vorgestellt. Darin verpflichten sich die Firmen unter anderem, Prüf- und Bearbeitungsverfahren einzuführen und spezielle Überprüfungsteams einzurichten. Der Kodex ist hier veröffentlicht.

Öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse sollen nach dem Willen des EU-Ministerrats „standardmäßig“ offen zugänglich sein. Die niederländische Ratspräsidentschaft verkündet sogar: „Alle wissenschaftlichen Artikel in Europa ab 2020 ungehindert zugänglich“. Wie das passiert? Die EU-Kommission, die Mitgliedstaaten und weitere Beteiligte werden in dem Beschluss aufgefordert, „Maßnahmen zu ergreifen“.

Warum Hodor aus Game of Thrones nur ein Wort sprechen kann und andere ungeklärte Fragen aus Romanen, Filmen oder Serien behandeln Fantheorien. Was es mit „World Building“ und „Forensic Fandom“ auf sich hat, beleuchtet der Zündfunk Generator in einem hörenswerten Radiofeature: Warum Fantheorien im Internet boomen (Bayern 2) (direkter Link zum MP3).

„Everything is a Remix“ ist der Titel einer mehrteiligen Reihe des Filmemachers Kirby Ferguson. Mit anschaulichen Beispielen zeigt er, dass keine noch so revolutionäre Idee oder Erfindung komplett neu ist, sondern auf der geschickten Rekombination von Existierendem beruht. In der neuesten Episode analysiert Ferguson, bei welchen Elementen aus „The Force Awakens“ von anderen Quellen kopiert wurde – und was neu hinzugekommen ist.

Eine Zwischenbilanz des Selfpublishing zieht Wolfgang Tischer im Literaturcafé: Genreliteratur finde begeisterten Absatz, wirklich Neues hingegen sei weiterhin eher in klassischen Verlagsprogrammen zu finden. Autoren sieht er gegenüber den Verlagen gestärkt, die nicht mehr alleiniger Gatekeeper sind. Allerdings sei auch „ein neues Autorenprekariat“ entstanden, das Vorschüsse, Lektorat und Marketing allenfalls als teure Zusatzoption kenne. 

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Das Netz – Jahresrückblick 2015/2016
Weiterhin können Sie unseren Jahresrückblick erwerben, der die Digitalisierung in Politik, Wirtschaft und Kultur und die Entwicklungen des Jahres betrachtet. Mehr unter irights-media.deOder einfach lesen unter dasnetz.online.

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Wenn Sie Hinweise auf Veranstaltungen, Texte und Veröffentlichungen zum Thema „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt” haben, freuen wir uns auf E-Mails an post@irights.info. 

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