iRights.info-Newsletter vom 10. März 2016

Liebe Leserinnen und Leser, 

immer wieder erreichen uns Fragen wie „Wo kann ich freie Inhalte finden?“. Wir nehmen uns dieser Frage an und beginnen mit den besten Quellen für freie Musik im Netz. Fortsetzung folgt. 

Auf Facebook geht wieder eine Erklärung um, in der Nutzer der kommerziellen Nutzung ihrer Inhalte widersprechen. Wir erklären, warum man sich das Posting schenken kann. 

Außerdem erläutert der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich seine These, dass Künstler das Urheberrecht missbrauchen, wenn sie den Abdruck ihrer Werke im wissenschaftlichen Umfeld verhindern.  

Mit frühlingshaften Grüßen aus der iRights.info-Redaktion,
Valie Djordjevic

Neu bei iRights.info 

Die besten Quellen für freie Musik im Netz
Wer fremde Musik nicht nur hören, sondern kreativ verwenden will, kann mit freier Musik viele urheberrechtliche Probleme vermeiden. Der Journalist, Podcaster und Netlabel-Betreiber Christian Grasse stellt seine Lieblingsadressen vor.

Massenabmahnungen treffen auch Geflüchtete
In das Blickfeld von Abmahnanwälten geraten auch Geflüchtete. Das berichten verschiedene Medien unter Berufung auf c’t. Fehlende Kenntnis der Urheberrechtslage und der Störerhaftung könne Flüchtlinge und Anschlussinhaber in eine schwierige Situation bringen.

Neuer Facebook-Hoax: Widerspruch gegen kommerzielle Nutzung
Wie unter anderem Zeit Online berichtet, kursiert auf Facebook derzeit ein neuer Kettenbrief. Nutzer verbreiten ihn im Glauben, damit einer kommerziellen Nutzung ihrer Inhalte widersprechen zu können. Der Brief beruft sich dazu auf (vermeintliche) Artikel im Strafgesetzbuch, Handelsrecht der USA und ein „Statut von Rom“.

Wolfgang Ullrich: Mit Abbildungsverboten missbrauchen Künstler das Urheberrecht
Dem Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich wurde von mehreren Künstlern nicht erlaubt, ihre Werke in einem Buch abzubilden. Dass sie sich dabei auf das Urheberrecht berufen, hält er für nicht gerechtfertigt. Vielmehr sei es ein wachsender Trend und Ausdruck eines überzogenen Kontrollbedürfnisses mancher Künstler, erläutert Ullrich im Interview mit iRights.info.

Das verlorene Potenzial von Forschung
Wissenschaftsverlage haben erklärt, Veröffentlichungen zum Zika-Virus frei zugänglich zu machen. Das ist löblich, führt aber erneut vor Augen, wieviel Potenzial sonst verschenkt wird, kommentiert der Schweizer Informationswissenschaftler Christian Gutknecht. 

Arbeit wird wieder, was man tut und nicht, wohin man geht
Unser Verständnis von Arbeit wurde durch die Industrialisierung geprägt, nun müssen wir grundlegend umdenken, meint der Arbeits- und Innovationsforscher Ulrich Klotz. Wie einst Taylors Konzept der Betriebsführung ist die Zusammenarbeit in Open-Source-Projekten zu einem prägenden Leitbild geworden.

Serie

Zur Reihe: Datenschutz für Webseiten

Tipps und Muster-Erklärungen für Webseitenbetreiber gibt unsere Reihe Datenschutz für Webseiten zusammen mit dem Verein Seitenstark. Einen Schwerpunkt bilden Webseiten, die sich an Kinder richten. Bislang erschienen:

• Sieben goldene Regeln des Datenschutzes

• Datenschutz- und Einwilligungserklärungen, AGB und Impressumspflicht

• Aufbau einer einfachen Datenschutzerklärung

• Chats, Foren und Gästebücher

Publikation

Das Netz – Jahresrückblick 2015/2016
Weiterhin können Sie unseren Jahresrückblick erwerben, der die Digitalisierung in Politik, Wirtschaft und Kultur und die Entwicklungen des Jahres betrachtet. Mehr unter irights-media.deOder einfach lesen unter dasnetz.online.

Veranstaltungen

Die Ausstellung „Nervöse Systeme. Quantifiziertes Leben und die soziale Frage behandelt die „Verschränkungen und Verkehrungen im Verhältnis von Mensch und Maschine“. Sie findet statt vom 11. März bis 9. Mai im HKW Berlin, die Eröffnung ist am 10. März um 19 Uhr. iRights.info-Herausgeber Matthias Spielkamp führt am Sonntag, den 3. April um 15 Uhr durch die Ausstellung. 

Ein Veranstaltungshinweis an unsere Leser_innen in China – ja, die gibt es: Am 12. März findet im Pekinger Goethe-Institut eine Diskussion zum Thema „Innovation und Kreativität im digitalen Zeitalter“ statt. Es diskutieren Experten aus China, Deutschland, USA und Korea – darunter auch Till Kreutzer, zusammengestellt wurde die Veranstaltungsreihe von Philipp Otto.

Das Logan Symposium des Centre for Investigative Journalism am 11. und am 12. März 2016 befasst sich mit Überwachung, Geheimnissen und Zensur. Am 12. März ab 15.30 wird Matthias Spielkamp dort auf dem Podium Difficult Targets vertreten sein; es geht um die Massenüberwachung durch die Geheimdienste.

Das Wirtschaftsministerium lädt auf der CeBIT zum Forum über den „Kosmos der Möglichkeiten zukünftiger Smart-Data-Entwicklung“. Auf dem Podium diskutieren Peter Liggesmeyer (GI), Peter Schaar (EAID), Lena-Sophie Müller (D21), Susanne Dehmel (Bitkom) und Philipp Otto (iRights.info) am 16. März um 10.20 Uhr in Halle 6, Stand C38.

Am 15. März veranstaltet das Erich-Pommer-Institut in Potsdam seinen 2. Kongress „Urheberrechtspolitik 2016“. Thema ist die aktuelle Urheberrechtspolitik in Deutschland und Europa. Es sprechen unter anderem Maria Martin-Prat von der Europäischen Kommission und Matthias Schmid, Referatsleiter beim Justiz- und Verbraucherschutzministerium. 

„Neue Nadelöhre – wer bestimmt unseren Zugang zu den Medien?“ – das ist das Thema des Symposiums des Verbund der Landesmedienanstalten DLM. Am 17. März in Berlin im Humboldt-Carré diskutieren Experten aus Politik, Medienverbänden, öffentlichem Rundfunk und Telekommunikation. 

Zur Buchmesse veranstaltet die Leipziger Autorenrunde am 19. März ein Tischgespräch mit Hanka Holzapfel und Valie Djordjevic über „Freie Inhalte - wann und warum sie für Autoren sinnvoll sein können“. Von 13.00-14.30 Uhr im Congress Center Leipzig (CCL).

Zum Speyerer Forum zur digitalen Lebenswelt lädt die dortige Universität für Verwaltungswissenschaften am 7. und 8. April, auch Philipp Otto von iRights.info ist dort und spricht über „Leben im Datenraum“.

Anderswo im Web 

Während der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales zu den größten Kritikern des „Rechts auf Vergessenwerden“ gehört, haben sich in der freien Enzyklopädie schon lange komplexe, gemeinschaftliche Regeln des Vergessens herausgebildet, schreibt Reuben Binns im Magazin Limn. Löschungen zum Beispiel bei Einträgen über lebende Personen werden offen dokumentiert. „Man kann hier einen umfassenden, nicht löschbaren Speicher von allem finden, was jemals vergessen wurde, warum es vergessen wurde, wer dafür und wer dagegen war.“

Plagiate machen vor Kreuzworträtseln nicht halt: Eine Gruppe aufmerksamer Kreuzworträtsel-Löser hat mit digitalen Werkzeugen Rätselplagiate in der Zeitung USA Today aufgespürt, die unter anderem aus der New York Times stammten. Mittlerweile wurde ein Kreuzworträtsel-Redakteur seiner Aufgaben entbunden, berichtet FiveThirtyEight.

Schwärzer als schwarz: Der Künstler Anish Kapoor hat sich Rechte an Vantablack, einen besonders schwarzen Farbmaterial gesichert, berichtet der Guardian. Ursprünglich hatte die Firma Nanosystems das Material für den Einsatz in Militär und Luftfahrt entwickelt. Der Gebrauch von Vantablack innerhalb der Kunst sei Anish Kapoor nun alleine vorbehalten. In anderen Bereichen dürfe das Material allerdings weiter verwendet werden. 

Everything is a remix, meint das auf visuelle Kunst spezialisierte Magazin a-n. Viele Künstler wissen, dass sich Urheberrechte auf die Herstellung und Vermarktung ihrer Kunst sehr unterschiedlich auswirken. Der Artikel beschreibt verschiedene künstlerische Strategien, wie der Umgang mit Urheberrechten selbst zu einem künstlerischen Thema gemacht wird.

Die Philosophie sucht Antworten auf vier Lebensfragen, meinte jedenfalls Immanuel Kant. Die Sendung „Essay und Diskurs“ im Deutschlandfunk stellt sich vor, wie seine Fragen im Jahr 2050 beantwortet würden: „Sind Privatsphäre, Individualität und ähnliche Errungenschaften nicht quasi-religiöse Dogmen, die von der technischen Wirklichkeit ad absurdum geführt werden?“

Cory Doctorows Kurzgeschichte „Scroogled“ beschreibt eine Welt, in der jede Google-Suche gegen dich verwendet wird. „Sie schauen sich meine Suchen und meine E-Mail an?“ „Beruhigen Sie sich, bitte. Ich schaue mir Ihre Suchen nicht an“, sagte der Mann spottend. „Das wäre gegen die Verfassung. Wir sehen nur die Anzeigen, die auftauchen, wenn Sie Ihre Mail lesen und suchen. Ich habe hier ein Faltblatt, das das erklärt. Ich geben es Ihnen, wenn wir hier durch sind.“ Die deutsche Version gibt es bei „Wort und Satz“; die Originalversion bei Lithub.com.  

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Headerbild: Leo U, PlayCC BY-ND 2.0

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