iRights.info-Newsletter vom 11. Februar 2016

Liebe Leserinnen und Leser, 

der Verfassungsrechtler Christoph Möllers und die netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion Halina Wawzyniak haben unterschiedliche Ansichten über die geplante Gesetzesreform zu Urheber-Verträgen. Möllers hält sie für verfassungsrechtlich bedenklich, während sie für Wawzyniak zumindest eine überfällige Stärkung der Urheber ist. 

Daneben können Sie bei iRights.info unter anderem lesen, wie eine Frau vor zweihundert Jahren die Programmierung erfunden hat, weshalb die GEMA blind für die Remixkultur in Clubs ist und warum der Direktor des Berliner Medienkunstfestivals Transmediale mehr politischen Einsatz von Medienkünstlern fordert. 

Viel Spaß beim Lesen und schöne Grüße aus der iRights.info-Redaktion,

Valie Djordjevic

Neu bei iRights.info 

Diskotheken-Monitoring und Remixkultur: Das verschleppte Problem
Georg Fischer untersucht das Monitoring der GEMA in Clubs und Diskotheken. Ein wesentlicher Teil der Musikproduktion bleibt von vornherein außen vor: Die Remixkultur blüht abseits der offiziellen Verbreitungskanäle.

Christoph Möllers: Reform bei Urheber-Verträgen verfassungsrechtlich bedenklich
Der Verfassungsrechtler Christoph Möllers kritisiert im iRights.info-Interview die geplante Reform des Urhebervertragsrechts: Der Entwurf widerspreche sich in seinen Zielen und sei nicht plausibel begründet. Einzelne geplante Regelungen griffen tief in die Berufsfreiheit der Verwerter ein .

Urheber-Verträge: Stärkung von Kreativen ist verfassungsgemäß
Im Meinungsbeitrag widerspricht Halina Wawzyniak, rechts- und netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, der Auffassung von Christoph Möllers, dass die geplante Reform am Urhebervertragsrecht zu stark in die Berufsfreiheit von Verwertern eingreift.

Aufbau einer einfachen Datenschutzerklärung
Wie sollte die Datenschutzerklärung einer Website aufgebaut sein, welche Angaben gehören mindestens hinein? Wie lässt sie sich formulieren, wenn sich das Angebot an Kinder richtet? Ein weiterer Text aus unserer Reihe Datenschutz auf Webseiten

„Pirate Essays“: Medientheoretiker untersuchen Piraterie
Medienpiraterie ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem für die Entertainmentindustrie, sondern auch ein gesellschaftliches und kulturelles Phänomen. Das untersucht ein neuer Sammelband.

Für eine gerechte Kultur des „Onlife“
Algorithmen prägen immer mehr unsere Gesellschaft – von der Kreditentscheidung bis zur Krankenversicherung. Petra Grimm, Tobias O. Keber und Oliver Zöllner vom Institut für Digitale Ethik setzen sich dafür ein, im Zeitalter von Big Data eine neue digitale Ethik zu begründen, damit wir als Bürger weiterhin über unser Gemeinwesen entscheiden können.

Creative Commons für Kulturinstitutionen
Die freien Lizenzen von Creative Commons können für Kultur­einrichtungen ein Instrument sein, ihrem Vermittlungsauftrag in Zeiten digitaler Vernetzung nachzukommen. John Hendrik Weitzmann stellt die Entstehungsgeschichte und Philosophie von Creative Commons vor und bietet einen ersten Überblick, wann die Lizenzen eingesetzt werden können.

Die Kunst im Zeitalter von TTIP, TPP und TISA
Mit den neuen Handelsabkommen TTIP, TPP und TISA rollt eine Konterrevolution auf uns zu. Es wird Zeit, dass sich die digitalen Künstler dagegen wehren. Ein Beitrag von Kristoffer Gansing, künstlerischer Leiter der Transmediale.

Netzkunst: Das Internet als Formprinzip
Was ist virtuell, was ist real? Im vergangenen Jahr haben uns Künstler wie das „Zentrum für politische Schönheit“ gezeigt, dass wir endlich anfangen müssen, unsere Weltsicht grundlegend zu ändern

Computergeschichte: Am Anfang war Ada
Im 19. Jahrhundert hat Ada Lovelace für die Analytical Engine das erste Programm überhaupt geschrieben – dann wurde die Pionierin vergessen. Erst in den 1970er-Jahren wurde sie wieder entdeckt. 2015 jährte sich ihr Geburtstag zum 200. Mal.

Publikationen

Das Netz 2015/2016

Das Netz – Jahresrückblick 2015/2016
Weiterhin können Sie unseren neuen Jahresrückblick erwerben – oder einfach lesen: In Analysen, Berichten und Interviews geht es um die Veränderungen durch die Digitalisierung in Politik, Wirtschaft und Kultur und die Entwicklungen des Jahres. Kauflinks und Inhaltsverzeichnis unter irights-media.de. Alle Texte können auch unter dasnetz.online gelesen werden.

Veranstaltungen

Am 17. Februar referiert Paul Klimpel zum Thema Rechtliche Aspekte im Museum in Stuttgart beim „Open up! Museum“-Workshop. Um Anmeldung bis zum 12. Februar 2016 wird gebeten.

Ebenfalls am 17. Februar findet in Berlin bei Wikimedia Deutschland eine Diskussion über die Fragmentierung des Internets mit William Drake (Universität Zürich) und Stefan Heumann (Stiftung Neue Verantwortung) statt. 

Am 28. und 29. Februar 2016 gibt es das OERcamp 2016 – Open Educational Resources in der Praxis. Sie findet statt im Jugendkulturzentrum PUMPE in Berlin Mitte. Am 29.2. spricht Matthias Spielkamp um 14.15 h zum Thema „Bereits veröffentlichte wissenschaftliche Beiträge befreien“. 

Vom 1. bis zum 6. März findet das Internet Freedom Festival in Valencia, Spanien, statt. Matthias Spielkamp spricht in diesem Rahmen am Freitag, den 4. März um 12 Uhr unter dem Titel „What freedom lovers need to know about Internet governance“

Das Logan Symposium des Centre for Investigative Journalism am 11. und am 12. März 2016 befasst sich mit Überwachung, Geheimnissen und Zensur. Am 12. März wird Matthias Spielkamp dort auf dem Podium Difficult Targets (15.30 h) vertreten sein; es geht um die Massenüberwachung durch die Geheimdienste.

Anderswo im Web 

Das Geburtstagslied Happy Birthday könnte bald definitiv gemeinfrei werden, berichtet Heise Online. Der Musikverlag Warner/Chappell, der jedenfalls keine Rechte daran hält, muss einem vorgesehenen Vergleich zufolge rund 14 Millionen Dollar zurückzahlen, die an Geschädigte und Anwälte fließen sollen.

Ist das „Privacy Shield“ endlich ein sicherer Hafen? fragt Peter Schaar zum angekündigten Safe-Harbour-Nachfolger bei Heise. Die Antwort lautet seiner Meinung nach „nein“. Aber was soll die EU-Kommission auch tun, wenn in den USA kein Schutzniveau in Sicht ist, wie es der EuGH fordert? 

Forschungsdaten aus Universitäten und Forschungseinrichtungen bleiben unzugänglich oder landen in Insellösungen einzelner Projekte – was fehlt, sind gemeinsame Strategien und Standards, berichtet Astrid Herbold im Tagesspiegel und merkt passend an: „Das klingt komplizierter, als es ist. Denn eigentlich muss das Rad dafür gar nicht neu erfunden werden.“

Tätowierungen auf den Oberarmen von Basketballspielern sind der Anlass für einen Rechtsstreit in den USA. Weil die Tattoos in einem Computerspiel der Firma Take Two Interactive zu sehen sind, wurde das Unternehmen nun auf Schadensersatz verklagt. Vice.com hat sich die Frage nach den Rechten an Tattoos genauer angeschaut.  

Meinungsfreiheit, Anonymität, Bürgerrechte – das sind die Themen des Kunstprojekts „Dark Content“ von Eva und Franco Mattes (englisch). Sie sprachen mit Moderatoren von Social-Media-Plattformen, Foren und Kommentarspalten, die Hasspostings, illegale Links oder politisch unliebsame Meinungen löschen. Das Projekt ist nur im Darknet zu sehen: Interessierte müssen den Tor-Browser installieren. 

Der Kanon der Kunstgeschichte wird durch mehrere Entwicklungen aufgewirbelt, schreibt Annekathrin Kohout im Kunstmagazin Art: Kurioses und Obszönes wird besonders gern im Netz geteilt; was als Meisterwerk galt, durch Meme und Mash-ups banalisiert. Und alles wird mit allem in Beziehung gesetzt. 

Von Tod durch Selfies haben in den letzten Monaten einige Medien berichtet. Mobilegeeks hat sich die Zahlen genauer angesehen und Frauen über dreißig aus Deutschland sind wenig gefährdet. Gut zu wissen. Ich geh dann mal ein Selfie machen. 

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