iRights.info-Newsletter vom 4. Dezember 2015


Liebe Leserinnen und Leser, 

wer hätte gedacht, wie lange sich über zwei Sekunden Musik streiten lässt: Das „Metall auf Metall“-Sample beschäftigt seit mehr als zehn Jahren die Gerichte – und dreht jetzt eine neue Runde vor dem Bundesverfassungsgericht. Auf der einen Seite stehen die Musiker von Kraftwerk, die 1977 das Album „Trans Europa Express“ veröffentlichten. Auf der anderen Seite Moses Pelham und die Produzenten des Stücks „Nur mir“ von Sabrina Setlur.

Künstlerisches Schaffen zwischen Vorgefundenem und Neuem beschäftigt iRights.info seit Anfang an. So vielfältig und naheliegend die Möglichkeiten heute sind, mit gegebenem Material zu arbeiten, so oft wird das geltende Urheberrecht verletzt. Dabei ist der Rückgriff auf Bestehendes kein Novum des Digitalzeitalters, wie eine kurze Geschichte des Remix in der Musik zeigt. 

Mit den besten Grüßen aus der iRights.info-Redaktion,
Valie Djordjevic

Neu bei iRights.info

Der lange Streit um kleinste Teile: „Metall auf Metall“ vorm Bundesverfassungsgericht
Verletzt das Sampling selbst kurzer Sequenzen aus Musikaufnahmen fremde Rechte? Nach jahrelangen Verfahren ist der Streit zwischen Kraftwerk und den Produzenten von Sabrina Setlur vor dem Verfassungsgericht gelandet. In der Verhandlung treffen unterschiedliche Vorstellungen vom kreativen Schaffen aufeinander.

Rezension: Menetekel-Journalismus und Recherche-Fibel
Das Buch „Vernetzte Gesellschaft – Vernetzte Bedrohungen. Wie uns die künstliche Intelligenz herausfordert“ trägt viel Material zusammen, um die These vom Daten- und Kontrollverlust zu illustrieren. . 

„The Pirate Book“: Neue Perspektiven auf Piraterie im globalen Kontext
Beim „Aksioma“-Institut für zeitgenössische Kunst Ljubljana ist diese Woche „The Pirate Book“ erschienen. Der Band ist „eine Sammlung von Geschichten über das Teilen, Verbreiten und Erleben kultureller Inhalte jenseits lokaler wirtschaftlicher, politischer und rechtlicher Grenzen“.

Bundesgerichtshof: Ja, aber Nein zu Websperren
Provider müssen Webseiten nur dann sperren, wenn Rechteinhaber alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben, um gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. Der Bundesgerichtshof hat in zwei Verfahren eine Klage der GEMA sowie von Tonträgerherstellern gegen Provider zurückgewiesen.

Karl-Nikolaus Peifer: Urheber sind heute weniger von institutionellen Verwertern abhängig
Es bewegt sich was zwischen Urhebern und Verwertern. Die Bundesregierung plant Reformen am Vertragsrecht, der Europäische Gerichtshof entschied, dass Kopiervergütungen den Autoren zustehen. Der Medienrechtler Karl-Nikolaus Peifer sieht gute Aussichten für Gesetzesreformen.

Neues Jamendo: Verwirrende Angaben zu Creative-Commons-Musik
Die Plattform Jamendo versammelt Musik unter Creative-Commons-Lizenzen und bietet zugleich einen Marktplatz für weitere Nutzungen. Die neue Version des Dienstes jedoch macht verwirrende Angaben dazu, was die freien Lizenzen erlauben und wann zusätzliche Genehmigungen nötig sind.

Vier Mythen über AGB und Verträge
Dürfen Diensteanbieter ihre AGB automatisch ändern? Kann man als Verkäufer auf Ebay jede Haftung ausschließen? Lässt sich den AGB von sozialen Netzwerken per Posting widersprechen? Und verliert man alle Rechte an den eigenen Daten oder Inhalten, wenn man sich für einen Dienst anmeldet? iRights.info beleuchtet einige häufige Missverständnisse.

Fair use: Youtube will Videomacher vor Gericht unterstützen
Google hat angekündigt, einige Videomacher in Urheberrechts-Streitigkeiten vor Gericht zu unterstützen und die Kosten bei ausgewählten Verfahren zu übernehmen. Damit wolle das Unternehmen das Fair-use-Prinzip im US-Copyright auf Youtube schützen.

Publikation

Durchblicken im Rechte-Dschungel: Band 3 der Broschüre „Spielregeln im Internet“ veröffentlicht

Die Broschüre „Spielregeln im Internet 3 – Durchblicken im Rechte-Dschungel“ bietet Orientierung und Rat zu Rechtsfragen im Netz, besonders bei Musik, Filmen und anderen Inhalten. Beispiele: Welche Rechte und Pflichten haben Nutzer in sozialen Netzwerken, bei online gekauften E-Books oder Filmen sowie bei Streaming-Portalen? Was tun bei Identitätsdiebstahl? Hafte ich für fremde Inhalte? 

Termine

Till Kreutzer moderiert am kommenden Donnerstag, dem 10. Dezember 2015 um 13 Uhr einen „Digitalen Bürgerdialog“ mit Andrus Ansip, EU-Kommissar für digitalen Binnenmarkt. Das Thema: „Wie wird Europa fit für das digitale Zeitalter?“ Die Veranstaltung in der Berliner Humboldt-Universität wird auch live gestreamt.

Das Magazin „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2015/2016“ ist in der Druckerei und erscheint am 11. Dezember 2015. Hier können Sie „Das Netz 2015/2015“ vorbestellen. Wir feiern die Veröffentlichung am 11. Dezember ab 19.30 Uhr im Spektrum, Bürknerstr. 12, 12047 Berlin mit Getränken, Snacks und Musik. Alle iRights.info-Leser und -Leserinnen sind herzlich eingeladen. Wir bitten um Anmeldung.

Anderswo im Web 

Benedikt Fecher und Gert Wagner befassen sich im Blog „LSE Impact of Social Sciences“ mit dem Wandel des wissenschaftlichen Publizierens. Open Access bedeute nicht nur Zugang zu Veröffentlichungen, sondern werfe die Frage auf, wem die Informations-Infrastruktur gehört (mehr dazu auch hier auf iRights.info).

Ist Anonymität im Internet eine heilige Kuh? Darin waren sich einige Politiker und Medienrechtler auf einer Urheberkonferenz in Berlin einig, wie Stefan Krempl bei Heise Online berichtet

„Armer Autor, du hast echt keine Freunde“. Zu diesem Fazit kommt der Autor Tom Hillenbrand in seinem Blog, nachdem er Reaktionen von Autorenverbänden und Gewerkschaften auf das EuGH-Urteil zur Kopiervergütung gesammelt hat.

Forscher sehen sich am Auswerten großer Daten- und Textsammlungen gehindert, berichtet „Nature“. Ein Doktorand der Tilburg-Universität in den Niederlanden, der herausfinden wollte, wie zuverlässig sozialwissenschaftliche Inhalte sind, wurde vom Wissenschaftsverlag Elsevier gesperrt.

Apropos wissenschaftliches Publizieren: Ebenjenes erweist sich als anfälliger für Schwindelei, als man denken könnte: Über Hijacked Journals, Fake Journals, Predatory Publishing und andere Phänomene berichtet Ulrich Herb bei Telepolis.

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Headerbild: Weltausstellung 1958 in Brüssel, Trans Europ Express. Foto: Krumnack.HCC BY-SA

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