iRights.info-Newsletter vom 19. November 2015


Liebe Leserinnen und Leser, 

während wissenschaftliche Urheber und Bibliotheken mit den Praktiken von Wissenschaftsverlagen wie Elsevier hadern, hat sich letzterer bereits vorgenommen, zum „Betriebssystem der Wissenschaft“ zu werden. Lambert Heller vom Open Science Lab in Hannover hat mit iRights.info darüber gesprochen, was das bedeuten könnte und wie die digitale Allmende der Wissenschaft erhalten und gefördert werden kann. 

In eigener Sache können wir vermelden, dass die Website iRights.info nun standardmäßig über eine verschlüsselte HTTPS-Verbindung erreichbar ist. Aber warum Verschlüsselung, wenn die Inhalte doch öffentlich im Web stehen? Einen Überblick, weshalb dies für jede Website empfehlenswert ist, bietet zum Beispiel das Open-Blog der New York Times.

In diesem Sinne wünschen wir Ihne eine sichere und informative Lektüre. 

Mit den besten Grüßen aus der iRights.info-Redaktion,
Valie Djordjevic  

Neu bei iRights.info

Mario Purkathofer: „Wir zelebrieren eine Kultur des Remix“
Der Kurator Mario Purkathofer sucht nach Werken, die 70 Jahre nach dem Tod ihres Erschaffers gemeinfrei geworden sind – und interpretiert sie zusammen mit Künstlern, Programmierern und Designern neu. Im Interview erläutert er das Vorgehen dabei und spricht über die Ideen hinter dem „Zerlegen“ der Werke.

Russland ordnet den Datenschutz neu
Russland schlägt mit einem neuen Gesetz, das die Speicherung personenbezogener Daten auf Servern im Ausland verbietet, einen eigenständigen Weg ein.

EuGH kippt Kopiervergütung an Verlage, die zu Lasten der Autoren geht (Updates) 
Vergütungen für das private Kopieren stehen den Autoren zu. Werden Verlage auf Kosten der Autoren vergütet, ist das europarechtswidrig. Das sagt der Europäische Gerichtshof in einem neuen Urteil, das auch die deutschen Verwertungsgesellschaften betrifft.

Lambert Heller: „Wie frei soll das Betriebssystem der Wissenschaft sein?“
Verlage wie Elsevier verfolgen nicht nur Auslaufmodelle wie das klassische Journal, sondern arbeiten bereits am zukünftigen „Betriebssystem der Wissenschaft“. Für Lambert Heller vom Hannoveraner Open Science Lab ist die entscheidende Frage, ob die Wissenschaft freie Alternativen dazu entwickeln kann.

„The List“-App: Geben und Nehmen für Creative-Commons-Fotos
Mit der App „The List“ will Creative Commons den Bestand an frei verwendbaren Fotos vergrößern. Nutzer können gesuchte Motive untereinander anfragen und selbst bereitstellen.

EU-Kommission skizziert Urheberrechtsreform: Scheibchenweise zum digitalen Binnenmarkt
Die von der EU-Kommission angekündigte Urheberrechtsreform nimmt Konturen an. Zunächst soll der Zugriff auf bezahlte Inhalte im Ausland geregelt und eine Ausnahmeregelung für Blinde umgesetzt werden. Darüber hinaus scheint die EU-Kommission noch weitgehend unentschlossen.

Kulturelles Erbe: Der lange Weg ins Netz
Das Heimatmuseum des Berliner Stadtbezirks Friedrichshain-Kreuzberg hat aus seinen Sammlungen rund 3.500 digitalisierte Objekte online gestellt. Während des knapp zwei Jahre währenden Projekts floss aber auch sehr viel Arbeit in langwierige Rechteklärungen.

Ich sehe was, was du nicht siehst: Metadaten in Fotos
Digitale Fotos enthalten mehr Daten, als man denken könnte. Sie können unabsichtlich Informationen verraten, aber auch dabei helfen, Angaben über Fotografen und Lizenzen zu transportieren. Wie funktionieren sie, wie kann man sie bearbeiten und was passiert im Web mit ihnen?

In eigener Sache

Freedom-House-Bericht: Erneut kein gutes Jahr für bürgerliche Freiheiten im Netz 

Auch 2015 ging es mit den bürgerlichen Freiheiten im Internet bergab. Zu diesem Schluss kommt der Bericht „Freedom on the Net“, herausgegeben von der Denkfabrik Freedom House. Der Länderbericht für Deutschland wurde erneut von iRights.info verfasst.

Abschlussbericht: „Recht auf Vergessenwerden“
Zusammen mit dem Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) hat das iRights.Lab ein umfangreiches Projekt zum „Recht auf Vergessenwerden“ durchgeführt. Der Abschlussbericht analysiert den Status quo nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshof und macht Ausgestaltungsvorschläge zum besseren Umgang mit der neuen Situation.

Termine

Am 24. und 25. November findet in Berliin die Konferenz Digikon15 der Friedrich-Ebert-Stiftung statt. Philipp Otto hält dort am 25.11. um 10.30 einen Vortrag zum Thema Öffentlichkeit und Privatheit in Zeiten der Digitalisierung.

Mit Rechtsfragen beim E-Learning befasst sich ein Workshop des CEDIS-Fortbildungsteams der FU Berlin mit Till Kreutzer von iRights.info am 27.11.2015. Für die Veranstaltung „Mediengestützte Lehre und Urheberrecht” im CEDiS gibt es noch freie Plätze.

Das Magazin „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2015/2016“ erscheint am 10. Dezember 2015 zum vierten Mal. Die Vorbestellaktion „2 für 1“ läuft noch: Wer jetzt vorbestellt, bekommt zwei Magazine zum Preis von einem. Außerdem feiern wir die Veröffentlichung am 11. Dezember ab 19.30 Uhr im Spektrum, Bürknerstr. 12, 12047 Berlin mit Getränken, Snacks und Musik. Alle iRights.info-Leser und -Leserinnen sind herzlich eingeladen. Wir bitten um Anmeldung.

Anderswo im Web 

Wenn Museen sich im Netz und sozialen Medien präsentieren, können Kunstwerke zu Medien der Kommunikation werden. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich betrachtet das bei „Essay und Diskurs“ im Deutschlandfunk

Viel Kritik gab es für die Neuregelung der WLAN-Störerhaftung in Deutschland. Dazu kommen nun Bedenken der EU-Kommission, berichten Patrick Beuth und Claus Hecking bei Zeit Online

Was ist eigentlich Open Content? Und wie kann es in der Bildung eingesetzt werden? Im Video-Interview bei der Bundeszentrale für politische Bildung stellt Till Kreutzer den kürzlich dazu erschienen Praxisleitfaden vor.

Einen Rückblick auf die von iRights.info mitveranstaltete Konferenz „Zugang gestalten“ wirft Lilli Iliev bei Wikimedia: „Willen braucht man. Und mutige Zukunftsstrategien“. 

Urheberrechtsstreit um das „Tagebuch der Anne Frank“: Das Urheberrecht für das Werk läuft eigentlich 2016 aus. Nun möchte die Anne-Frank-Stiftung den Vater zum Miturheber erklären – und der starb erst 1980, berichtet Heise Online.

„The missing decades: the 20th century black hole in Europeana“: Weite Teile des 20. Jahrhunderts fehlen in der digitalen Bibliothek Europeana, schreiben Pablo Uceda Gómez und Paul Keller im Europeana-Blog.

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Wenn Sie Hinweise auf Veranstaltungen, Texte und Veröffentlichungen zum Thema „Urheberrecht und kreatives Schaffen in der digitalen Welt” haben, freuen wir uns auf E-Mails an post@irights.info. 

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Headerbild: Bibliothèque centrale universitaire du Havre. Foto: Thibaut Démare, CC BY-SA.

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