Kreativität und Urheberrecht in der digitalen Welt

Mash-Ups im Bewegtbild (IV): Enthält Content von Leni Riefenstahl

1. September 2010 von · Kategorie: Film · Symposium Verbotene Filme · Video

Auf dem Symposium ‘Verbotene Filme‘ vom 8.-10. September wird es auch um Mash-Ups und Remixe gehen. Kuratiert von Ilja Braun und Valie Djordjevic gibt es am Donnerstagabend das 90-minütige Kurzfilmprogramm ‘Mash-Up-Rolle’. Anschließend wird sich die Abendveranstaltung ‘Filmkunst trifft Netzkunst’ dem Thema widmen. Daneben gibt eine Panel-Diskussion Arts and politics: How political is the remix and mash-up culture? mit Johan Söderberg, Elisa Kreisinger und Peter Conheim (zum ausführlichen Programm).

Mash-Ups im Bewegtbild (IV): Enthält Content von Leni Riefenstahl

Auch wenn mit der Digitalisierung seit den nuller Jahren eine breite Amateur-Kultur der Mash-Ups entstanden ist, sind die Techniken selbst schon lange bekannt. Parodie und Satire verwenden seit jeher vorgefundenes Material für ihre Zwecke neu, Neuvertonungen von vorhandenem Filmmaterial finden sich etwa auch in Woody Allens „What’s Up, Tiger Lilly?” (1966) oder René Viénets „Can Dialectics break bricks?“ (1973). Folgt man Lawrence Lessig, gehört der Remix ohnehin schon immer zur Kulturgeschichte.

Charles A. Ridley: Lambeth Walk, Nazi Style, 1942

Für das britische Ministry of Information erstellte Charles A. Ridley 1942 diese Anti-Nazi-Persiflage mit Sequenzen aus Leni Riefenstahls Triumph des Willens und dem Lambeth Walk in Swing-Instrumentierung, was man als frühes Mash-Up ansehen kann. Unter verschiedenen Titeln lief der Film in vielen Kino-Wochenschauen, so hier als „General Adolph Takes Over” in den amerikanischen Universal Newsreels:



[archive.org]

Der gleiche Film unter dem Titel „Hoch der Lambeth Walk – A Laugh Time Interlude” in der britischen Wochenschau Pathé Gazette:

[youtube.com]

Der gleiche Film mit einer Einleitung in den Fox Movietone News:

[youtube.com]

Zum Thema Mash-Ups auch bei iRights.info:

Tags:

bis jetzt 2 Kommentare

  • 1 walter heise

    am 4. Nov, 2010 um 21:34

    was war die genaue rolle von ch. a. ridley?
    stammte die schnitttechnik nicht von len lye?
    vielleicht läßt sich das gelegentlich klären!

    wheise

  • 2 David Pachali

    am 6. Nov, 2010 um 14:11

    Vielen Dank für den Hinweis, ich habe noch einmal nachgesehen. Offenbar wird der Film oft mit Lyes Swinging the Lambeth Walk (online bei Google Videos) verwechselt:

    In der Lye-Filmographie bei The Emergence of Abstract Film in America (PDF) heißt es:

    Swinging the Lambeth Walk (often confused with Charles
    Ridley’s The Panzer Ballet)
    Music: “Lambeth Walk,” Great
    Britain, 1939, 4 mins, 35mm, color

    So auch Horrocks in seiner Lye-Biographie:

    “[...] Charley Ridley selected footage of goose-stepping nazi soldiers and slyly manipulated the images by optical printing and editing so the Nazi soldiers appeared to be dancing the Lambeth Walk. This satire – Germany Calling, or The Panzer Ballet – became justly famous, but by a freak of film history it was confused with Swinging the Lambeth Walk and many writers have attributed Ridley’s film to Lye.”

Einen Kommentar schreiben