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Reaktionen auf den Tod von Aaron Swartz: PDF-Tribute, Kritik an Justizbehörden

14. Januar 2013 von

Die Nachricht vom Tod des Internet-Aktivisten Aaron Swartz hat am Wochenende weite Kreise gezogen. Cory Doctorow, Tim Berners-Lee, Lawrence Lessig, Danah Boyd, Brewster Kahle und viele andere trauern um Swartz, haben Nachrufe verfasst und Erinnerungen zusammengetragen. Der 26-jährige Swartz war Mitentwickler des RSS-Feeds, Mitgründer von Reddit, Entwickler für Creative Commons, Verfasser des Guerilla Open Access Manifesto, Aktivist gegen das SOPA-Gesetz, – die Liste könnte weiter gehen. Und er litt an Depressionen, worüber er in seinem Blog schrieb. In einem im Frühjahr anstehenden Prozess drohte ihm eine Haftstrafe von theoretisch bis zu 35 Jahren, weil er sich unerlaubt Zugang zum Netzwerk des Massachusetts Institute of Technology verschafft haben soll, um Millionen wissenschaftlicher Artikel aus dem JSTOR-Archiv zu laden.

Aaron Swartz (r.). Foto: Fred Benenson, CC BY.

#pdftribute

Die größte Resonanz findet im Moment ein Aufruf an Wissenschaftler, ihre Aufsätze frei ins Netz zu stellen – als Hommage an Swartz’ Eintreten für Open Access. Auslöser war ein Kommentar bei Reddit von Micah Allen. Es ist beeindruckend, die vielen Tweets unter #pdftribute zu lesen. Wie viele wissenschaftliche Autoren sich tatsächlich daran beteiligen, lässt sich aber schlecht abschätzen. Die provisorische Seite pdftribute.net sammelt Links.

Kritik an Justizbehörden

Eine Petition kritisiert das Vorgehen gegen Swartz als unverhältnismäßig und fordert, die zuständige Staatsanwältin Carmen Otiz abzusetzen. Aktuell hat sie etwa 10.500 Unterzeichner. Swartz’ Familie und seine Freundin halten die Staatsanwaltschaft und die Verwaltung des MIT für mitverantwortlich am Selbstmord Swartz’. In einer Erklärung schreiben sie:

Aaron’s death is not simply a personal tragedy. It is the product of a criminal justice system rife with intimidation and prosecutorial overreach. Decisions made by officials in the Massachusetts U.S. Attorney’s office and at MIT contributed to his death.

Ähnlich hat auch Lawrence Lessig argumentiert und die Staatsanwaltschaft als „Tyrann” (prosecutor as bully) bezeichnet:

For the outrageousness in this story is not just Aaron. It is also the absurdity of the prosecutor’s behavior. From the beginning, the government worked as hard as it could to characterize what Aaron did in the most extreme and absurd way.

Das MIT hat am Sonntag eine interne Untersuchung zur eigenen Rolle in den Ereignissen angekündigt. JSTOR, das den Streit mit Swartz nach Rückgabe der Dateien selbst einstellte, veröffentlichte eine Kondolenzerklärung.

An Aaron Swartz erinnert eine Gedenkseite, ein Tumblr und eine Sammlung beim Internet Archive.

Themen: Bildung + Wissen · Creative Commons + Lizenzen · Politik + Recht · Rechtsdurchsetzung im Internet

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