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Studie: Wie GEMA-haltig ist Clubmusik?

5. Oktober 2012 von

Die mittlerweile auf April kommenden Jahres verschobene Tarifreform der GEMA sorgt weiter für Diskussionen, für November sind neue Verhandlungen geplant. Ein Nachteil der Diskussionen scheint allerdings, dass man in vielen Fragen auf Vermutungen angewiesen ist und jeder Zahlen einwirft, die gerade passend erscheinen.

Foto: Milosz1, CC BY

Foto: Milosz1, CC BY

Ein Streitpunkt dabei ist immer wieder, wieviel Musik von Künstlern, die durch die GEMA vertreten werden, in den Clubs eigentlich gespielt wird. Aus der Clubszene hört man die Kritik, das von der GEMA praktizierte Stichproben-Verfahren gehe an den heterogenen Subkulturen und den musikalischen Nischen vorbei. Deutlich wird das zum Beispiel an einem gerade bei De:Bug veröffentlichten Streitgespräch, an dem u.a. Silvia Moisig (GEMA), die Clubbbetreiber Steffen Hack und Pamela Schobeß sowie Ben de Biel (Piratenpartei) teilgenommen haben:

Silvia Moisig: (…) Wir haben 120 Black Boxes in deutschen Diskotheken installiert, mit denen Musik mitgeschnitten wird, um ein besseres Bild davon zu bekommen, welche Stücke überhaupt gespielt werden.

Hack: Was Sie nicht sagen, ist, dass diese Boxen eine Stunde pro Woche mitschneiden. Zum Vergleich: In einer Stunde Club-Betrieb laufen vielleicht sechs Tracks. Das ist doch nicht repräsentativ. Und zeigt, dass die GEMA überhaupt keine Vorstellung davon hat, wie in Clubs mit Musik umgegangen wird. Mit diesem System kann man vielleicht Großdiscos bewerten, aber keine Clubs.

Schobeß: Frau Moisig, Sie sprechen immer von Diskotheken. Das ist doch das Grundproblem. Wir machen keine Discos, wir machen Clubs. Unsere DJs greifen nicht ins Regal und spielen CDs aus dem Media Markt.

de Biel: Ein Großteil der Musik in den Clubs ist nicht einmal bei der GEMA gemeldet. (…)

Wie hoch der Anteil GEMA-pflichtiger Musik in den Clubs tatsächlich ist, will jetzt eine Studie herausfinden. Im Rahmen ihrer BA-Arbeit untersucht die Medienwirtschaftlerin Victoria Götz die Frage und ruft momentan DJs dazu auf, Playlisten einzusenden. Das Vorgehen beschreibt sie so:

Wie hoch ist der durchschnittliche Anteil GEMA-pflichtiger Musik in einem Techno-DJ-Set?
Für die Untersuchung werden zahlreiche DJ?Sets oder deren Playlists benötigt, die im Zeitraum vom 20.09. bis 17.10.2012 in einem deutschen Club im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung entstanden sind. Diese werden im Anschluss mit Hilfe der Crowd auf GEMA?haltigen Inhalt geprüft.

Mehr Informationen gibt es auf der Website zur Studie. Unterstützt wird das Vorhaben unter anderem von der Berliner Clubcommission und der neu gegründeten Verwertungsgesellschaft C3S.

[via unwatched.org]

Themen: Creative Commons + Lizenzen · Kreativwirtschaft · Musik + MP3 · Urheberrecht

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