Schwarzer Tag für das Urheberrecht: Lobbyismus setzt sich vorerst durch
5. März 2012 von Philipp Otto
Gestern hat der Koalitionsausschuss der Bundesregierung getagt. Die Anwesenden haben sich entschieden, dass der Gesetzentwurf zum 3.Korb bald kommen soll. In diesem Gesetzentwurf befinden sich Regelungen zur Neueinführung des sogenannten Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Seit zwei Jahren warnen nahezu sämtliche Experten vor der Einführung dieses Leistungsschutzrechtes. je nach Standpunkt des Betrachters hätte diese Urheberrechtsverschärfung massive Auswirkungen auf die Online-Wirtschaft, auf Blogs und den Umgang mit Überschriften und Links zu und mit digital verfügbaren Informationen.
Bislang ist noch offen, was am Ende genau in diesem Gesetz stehen wird. Klar ist aber, sollte eine solche Einführung tatsächlich den Gesetzgebungsprozess erfolgreich meistern, wäre dies ein Kniefall der Bundesregierung vor den Lobbybemühungen der deutschen Presseverlage. Und dies bar jeder Kenntnis.
Im Protokoll des Koalitionsausschusses vom 04. März heißt es:
2. Urheberschutz – Leistungsschutzrecht für Presseverlage
Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, dass Verlage im Online-Bereich nicht schlechter ge- stellt sein sollen als andere Werkvermittler. Deshalb sollen Hersteller von Presseerzeug- nissen ein eigenes Leistungsschutzrecht für die redaktionell-technische Festlegung journalistischer Beiträge oder kleiner Teile hiervon erhalten.
Gewerbliche Anbieter im Netz, wie Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren, sollen künftig für die Verbreitung von Presseerzeugnissen (wie Zeitungsartikel) im Internet ein Entgelt an die Verlage zahlen. Damit werden die Presseverlage an den Gewinnen gewerblicher Internet-Dienste beteiligt, die diese – mit der bisher unentgeltlichen – Nutzung der Verlagserzeugnisse erzielen. Auch die Urheber sollen eine angemessene finan- zielle Beteiligung an der Verwertung des Leistungsschutzrechts erhalten. Einzug und Verteilung der Entgelte soll über eine Verwertungsgesellschaft erfolgen. Die Schutzdauer soll ein Jahr betragen.
Die private Nutzung von Presseerzeugnissen im Internet wird nicht vergütungspflichtig, normale User werden also nicht betroffen sein. In der gewerblichen Wirtschaft bleiben das Lesen am Bildschirm, das Speichern und der Ausdruck von Presseerzeugnissen kostenfrei.
Bis heute ist völlig ungeklärt, welche wirtschaftlichen Folgen die Einführung eines solchen massiven Eingriffs in den Markt hätte. Es existiert bis heute keine wirtschaftliche Folgeabschätzung. Der Entwurf soll sich nach dem Wunsch der Zeitungsverleger insbesondere gegen Google News richten. Natürlich kann man diskutieren, wie kooperative Beteiligungsmodelle zwischen verschiedenen Playern im digitalen Sektor aussehen können. Ein gesetzlicher Zwang ist aber ein verheerender Schritt.
Zudem drohen durch die im Urheberrecht sehr weit gefasste “Gewerblichkeitsschwelle” auch Blogs und eine Vielzahl von anderen Angeboten in eine neue Kostenpflichtigkeit zu fallen. Da hilft es nichts, wenn die KOA im Protokoll vermerken lässt, “die private Nutzung von Presseerzeugnissen wird nicht vergütungspflichtig”. In der Praxis wird völlig offen sein, ob beispielsweise ein Flattr-Button auf der Website schon die Gewerblichkeit positiv indiziert. Das sollen dann die Gerichte entscheiden? Komplett offen ist je nach Ausgestaltung des Gesetzes auch, ob dadurch möglicherweise eine neue Abmahnindustrie geboren wird, oder wie die Umsetzung in der Praxis beispielsweise durch das Eintreiben des Geldes durch eine eventuell zu gründende Verwertungsgesellschaft aussehen soll.
Die gestrige Entscheidung des Koalitionsausschuss ist ein schwarzer Tag für das Urheberrecht und den Umgang mit verwandten Schutzrechten in Deutschland. Die Entscheidung ist rückwärtsgewandt, brandgefährlich und zeigt auf beeindruckende Weise die Macht der Presseverlage über die Vernunft und Handlungsfähigkeit der Regierungskoalition.
Es bleibt zu hoffen, dass die Bundestagsabgeordneten diesen Pläne und dem tolldreisten Lobbyismus der Presseverlage im bald folgenden Gesetzgebungsprozess Einhalt gebieten. Selbst aus den Reihen der Abgeordneten der Regierungskoalition gibt es dazu ersten Widerstand.
Alle Informationen zu den Plänen und Diskussionen rund um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage gibt es auf der Sonderseite von iRights.info und auch bei der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (IGEL) [Disclaimer: Ich bin dort ebenfalls dabei].
Themen: Politik + Recht · Verbraucherschutz · verwandte Schutzrechte
Schlagwörter: Bundesregierung Leistungsschutzrecht für Presseverlage



35 Kommentare
1 Die Verleger bekommen das ersehnte Leistungsschutzrecht « … Kaffee bei mir? am 5. März, 2012 um 08:26
[...] Philipp Otto, iRights.info: Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch [...]
2 vera am 5. März, 2012 um 08:47
Alles nicht so wild. Sagt Christoph Keese.
3 Blog von Halina Wawzyniak, MdB, DIE LINKE am 5. März, 2012 um 09:19
[...] Koalition aus FDP und CDU haben sich auf ein Leistungsschutzrecht für Verlage geeinigt. Wie hier nachlesbar ist dies sogar im Protokoll des Koalitionsausschusses [...]
4 Bundesregierung will Leistungsschutzrecht umsetzen - 05.03.2012 - ComputerBase am 5. März, 2012 um 11:42
[...] könnten auch zahlreiche Blogs und anderweitige Angebote betroffen sein, heißt es bei iRights.info. Schlussendlich hängt es von der exakten Formulierung des Gesetzes ab, ob es sich um eine „Lex [...]
5 Leistungsschutzrecht: Bundesregierung beugt sich den Verlagen « magaseti am 5. März, 2012 um 11:48
[...] “schwarzen Tag für das Urheberrecht” bezeichnet Philipp Otto von irights.info die Entscheidung der Bundesregierung. Die Entscheidung sei rückwärtsgewandt, brandgefährlich und [...]
6 Heute in den Feuilletons: "Hauch des Unzeitgemäßen" - 24 | 7 Wall.st am 5. März, 2012 um 11:54
[...] Tag für das Urheberrecht“, kommentiert Philipp Otto im Blog von irights.info den Beschluss des Koalitionsausschusses: “Die [...]
7 Das Ende von Blogs und Newsverbreitung im Internet? Koalition will Leistungsschutz › Critch.de am 5. März, 2012 um 11:55
[...] der Blogosphere eindeutig. Von einem “schwarzen Tag für das Urheberrecht” schreibt der Irights-Info-Blog, “Springer kauft Leistungsschutzrecht bei Koalition” betitelt der bekannte Blog [...]
8 Leistungsschutzrecht: Presseverlage gegen den Rest der Welt » netzwertig.com am 5. März, 2012 um 11:56
[...] durch das Eintreiben des Geldes durch eine eventuell zu gründende Verwertungsgesellschaft aussehen.Zum Artikel bei irights.infoHurra: Urheberrecht im Internet verbessert! Google und womöglich auch die Perlentaucher und turi2s [...]
9 Lobby-Geschenke der Regierungskoalition #Leistungsschutzrecht #Scheiße | Ich sag mal am 5. März, 2012 um 12:06
[...] Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch [...]
10 “Es kommen härtere Tage” | Kulturnotizen am 5. März, 2012 um 12:26
[...] Tag für das Urheberrecht”, kommentiert Philipp Otto im Blog von irights.info den Beschluss des Koalitionsausschusses: “Die Entscheidung ist [...]
11 Martin am 5. März, 2012 um 12:31
Interessant. Nicht klar ist mir allerdings, inwieweit die geplanten Änderungen die Aussage “schwarzen Tag für das Urheberrecht” rechtfertigen. Entweder profitieren die Urheber finanziell (für “kleinere” Urheber eher unwahrscheinlich, denke ich), oder sie bekommen (wie auch jetzt schon) nichts, weil ihre Werke nicht mehr zitiert werden. Urhebern, denen das nicht gefällt, steht es natürlich frei, ihre Werke unter einer Lizenz zu verbreiten, die eine kostenlose Übernahme der Texte erlauben. Wo sollte also (für die Urheber) das Problem liegen? Schlecht wäre eine solche Gesetzesänderung doch eher für diejenigen, die die Werke anderer nutzen wollen und es bisher nicht so genau genommen haben mit der Grenze des im Rahmen eines Zitat erlaubten. Ob das gut ist oder schlecht, darüber könnte man sicher diskutieren, aber dann doch sicherlich nicht unter der Überschrift “Schwarzer Tag für das Urheberrecht”. “Schwarzer Tag für Suchmaschinenbetreiber und News-Aggregatoren”, trifft die Sache dann doch eher, oder nicht? Autoren und Publizisten müssten sich doch eher freuen, denke ich. Aber vielleicht fehlen mir auch einfach nur weitergehende Informationen, keine Ahnung…
12 Presseleistungsschutzrecht würde ein innovationshemmender Institutionenschutz am 5. März, 2012 um 12:46
[...] Philipp Otto auf irights.info über die gestrige Nachricht zum Presseleistungsschutzrecht: Zudem drohen durch die im Urheberrecht sehr weit gefasste “Gewerblichkeitsschwelle” auch Blogs und eine Vielzahl von anderen Angeboten in eine neue Kostenpflichtigkeit zu fallen. Da hilft es nichts, wenn die KOA im Protokoll vermerken lässt, “die private Nutzung von Presseerzeugnissen wird nicht vergütungspflichtig”. In der Praxis wird völlig offen sein, ob beispielsweise ein Flattr-Button auf der Website schon die Gewerblichkeit positiv indiziert. Das sollen dann die Gerichte entscheiden? Komplett offen ist je nach Ausgestaltung des Gesetzes auch, ob dadurch möglicherweise eine neue Abmahnindustrie geboren wird, oder wie die Umsetzung in der Praxis beispielsweise durch das Eintreiben des Geldes durch eine eventuell zu gründende Verwertungsgesellschaft aussehen soll. [...]
13 Schwarz-gelbe Koalition beschließt Leistungsschutzrecht - NETZWELT am 5. März, 2012 um 13:02
[...] iRights.Info-Blog (Quelle) [...]
14 Linkschleuder | stk am 5. März, 2012 um 13:26
[...] Lieferung von Klickvie^w Lesern an Onlineausgaben von Zeitungen auch noch Geld bezahlen. Oder vielleicht auch ich, wenn ich hier mal Werbung schalten sollte. Weil das ja eine Verbesserung des Urheberrechts [...]
15 Zürcher Presseverein » Es kommt Bewegung in die Debatte um ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage am 5. März, 2012 um 13:33
[...] vor (nzz.ch, Henning Steier) Bundesregierung erspart Verlegern Innovation (zeit.de, Kai Biermann) Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch (irights.info, Philipp [...]
16 musikdieb.de » Urheberrecht: Entscheidung für Verwerter am 5. März, 2012 um 13:54
[...] indem er sich für ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger im Netz entschied. iRights.info titelt: "Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch", während [...]
17 Leistungsschutzrecht: Schwarz-Gelb schenkt Verlagen Millionen bei Metronaut.de – Big Berlin Bullshit Blog am 5. März, 2012 um 15:32
[...] Blogs oder auch Google News, soll für diese “Leistung” zahlen. Dazu schreibt irights.info: Zudem drohen durch die im Urheberrecht sehr weit gefasste “Gewerblichkeitsschwelle” auch Blogs [...]
18 Leistungsschutzrechte für den gemütlichen Dämmerschlaf am 5. März, 2012 um 15:52
[...] die Aussage von iRights.info gibt zu denken. Wer ist gewerblich, wer ist es nicht? In der Definition besteht bei einem [...]
19 e-book-news.de » Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch am 5. März, 2012 um 16:59
[...] Crossposting via irights.info [...]
20 Sind wir nicht alle „Hersteller von Presseerzeugnissen“? | am 5. März, 2012 um 17:33
[...] der Weiterverwendung ihrer Inhalte im Netz nachzugeben, wurde bei Niggemeier, Netzpolitik und Co. ja bereits mit gebührender Empörung breitgetreten. Der Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht [...]
21 harry am 5. März, 2012 um 18:01
Die BRD darf nichts über uns und für uns enrscheiden!Denn die BRD ist eine eingetragene Firma , im Handelsregister / Frankfurt und somit kein staat, sondern eine Nichtregierungs organisation , mit der Geschäftsführerin Angela Merkel!
22 Peter am 5. März, 2012 um 20:42
“eine eventuell zu gründende Verwertungsgesellschaft”? Dann gibt es neben GEZ und GEMA noch einen Verein zum Geld eintreiben (abzocken).
23 Leistungsschutzrecht und das Ende der Linkkultur | jorni.de am 5. März, 2012 um 22:02
[...] für Presseverleger her müsse, das kommerzielle Verlinker zur Kasse bittet. Das ist ein „schwarzer Tag für das Urheberrecht“, und Auswirkungen wird es auch hier [...]
24 Neues Leistungsschutzrecht – "Grundeinkommen für Verleger" « Anonyme Domains und Webspace am 6. März, 2012 um 02:58
[...] Springer kauft sich Leistungschutzrecht”. iRigths.info spricht von einem “schwarzen Tag für das Urheberrecht“. Auf Twitter schwankt die Beurteilung des Koalitionsvorhabens zwischen “Hartz 4″ [...]
25 Neues Leistungsschutzrecht – "Grundeinkommen für Verleger" | Die Hirn Offensive am 6. März, 2012 um 05:56
[...] Springer kauft sich Leistungschutzrecht”. iRigths.info spricht von einem “schwarzen Tag für das Urheberrecht“. Auf Twitter schwankt die Beurteilung des Koalitionsvorhabens zwischen “Hartz 4″ [...]
26 Leistungsschutzrecht für Presseverlage: Linke Links | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 am 6. März, 2012 um 11:18
[...] für Presseverleger her müsse, das kommerzielle Verlinker zur Kasse bittet. Das ist ein „schwarzer Tag für das Urheberrecht“, und Auswirkungen wird es auch hier [...]
27 Verlage vs. … | Vielgeisterei am 6. März, 2012 um 16:57
[...] Seit geraumer Zeit macht die Verlagswelt immer wieder Schlagzeilen mit ihrem Kampf gegen das digitale Zeitalter. Statt sich anzupassen und neue Wege zu finden, wird analog zur Musik- und Filmindustrie versucht, das alte Modell künstlich am Leben zu halten. Erst diese Woche haben wir die Auswirkungen davon beim Koalitionsgipfel der CDU/CSU und FDP gesehen: Google soll die großen Zeitungsverlage gefälligst querfinanzieren. [...]
28 Fachjournalisten gegen Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage am 9. März, 2012 um 11:57
[...] Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch [...]
29 Protokoll vom 10. März 2012beiTrackback am 10. März, 2012 um 18:19
[...] Das war’s dann Philipp Otto erklärt das Leistungsschutzrecht für Zeitungsverlage [...]
30 TRB 269: Kony, Facebooknerv, Leistungsschutzrecht, FremdwörterbuchbeiTrackback am 10. März, 2012 um 20:29
[...] 33:25 Marcel Wichmanns Facebook-Status ist “genervt” 42:13 Philipp Otto erklärt das Leistungsschutzrecht für Zeitungsverlage 56:20 Blogger privat: Kübran Gümüsay schreibt ein [...]
31 Bundesjustizministerin verliert beim Leistungsschutzrecht ihre Homebase am 11. März, 2012 um 08:46
[...] Kommentare TRB 269: Kony, Facebooknerv, Leistungsschutzrecht, FremdwörterbuchbeiTrackback bei Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durchProtokoll vom 10. März 2012beiTrackback bei Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus [...]
32 Froschs Blog » Blog Archive » Im Netz aufgefischt #51 am 11. März, 2012 um 15:04
[...] iRights: Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch (via [...]
33 Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch | berlin projekt am 16. März, 2012 um 12:02
[...] auf irights Info-Blog Dieser Beitrag wurde unter e- Quergelesen abgelegt und mit Urheberrecht verschlagwortet. Setze [...]
34 Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch « SunnyRomy am 27. März, 2012 um 15:38
[...] Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch. Rate this: Share this:Like this:LikeBe the first to like this post. [...]
35 Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch <<irights.info « SunnyRomy am 27. März, 2012 um 17:33
[...] via Schwarzer Tag für das Urheberrecht – Lobbyismus setzt sich vorerst durch. [...]
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